Samstag, 4. Juli 2026

Verborgene Wahrheiten

Abbildung: Piper

Anna-Maria Aurel "Verborgene Wahrheiten in Verdon", Piper Verlag,
364 Seiten, 18,- EUR, ISBN 978-3-492-50932-9       Capitaine Mathieu Dubois wird in den Verdon gerufen – ein Mord überschattet die idyllische Landschaft. Zwei deutsche Touristen haben auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht beobachtet, wie ein älterer Mann von einer vermummten Gestalt in die Tiefe gestoßen wurde. Kapuze, Sonnenbrille – keine Chance auf Identifizierung. Die örtliche Gendarmerie ist bereits am Limit: Eine brutale Motorradbande terrorisiert Urlauber am Sainte-Croix-See, belästigt junge Frauen, stiehlt, zerstört. Tief unter dem türkisfarbenen Wasser des Stausees ruhen die Ruinen eines versunkenen Dorfes – und vielleicht auch Geheimnisse, die längst hätten begraben bleiben sollen. Bevor Dubois den ersten Hinweisen nachgehen kann, geschieht der nächste Mord.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Ein toller Roman, der in der Provence spielt und damit eigentlich zur Urlaubslektüre für alle Frankreichfans mutiert. Über die Autorin: Anna-Maria Aurel wurde 1974 in Innsbruck geboren. Sie lebt schon seit dreißig Jahren in Frankreich. Ihr Übersetzerstudium absolvierte sie in Lyon und Paris, ihr Tourismusstudium in Avignon und Arles. Mehrere Jahre arbeitete sie im Tourismusmanagement und im Immobilienbereich. Anna-Maria Aurel lebt in Avignon, wo sie als Reiseleiterin, Autorin und Übersetzerin tätig ist.

Köllefornia's Internettipp:
https://www.piper.de/

Neue CDs

Foto: Lydia Tress

WELTEN
Album: embrace
VÖ: 04.09.2026
Label: o-cetera


Es ist eine merkwürdige Magie, die die Musik der Band WELTEN umgibt. Musik wie jene titelgebende Umarmung, mal liebevoll, mal tröstlich, manchmal für einen kleinen Moment voller Euphorie. WELTEN ist eine Indie-Jazz-Band aus Leipzig an der Schnittstelle von Jazz, Ambient, Post-Rock, und Neo-Klassik. Das Besondere an ihrem Sound ist die bildhafte, fast filmische Klangsprache, eine Musik, die Bilder im Kopf entstehen lässt – zurückhaltend und eindringlich zugleich, komplex aber doch zugänglich. „embrace“ kommt zum zehnten Geburtstag dieser einzigartigen Band. Bis hierhin haben WELTEN vier Alben veröffentlicht – Live im Laden auf Zeit (2017), Ycatú (2018), Akureyri (2019) und Thaw (2022) – sowie über 80 Konzerten in Deutschland, Island, der Schweiz und Österreich gespielt. Besondere Höhepunkte waren Auftritte im Múlinn Jazz Club in der Harpa (Reykjavík) mit Óskar Guðjónsson (ADHD), Live-Performances bei Deutschlandfunk Kultur und Konzerte auf Festivals wie Fusion, Seanaps oder At.tension.

Neben den Gründungsmitgliedern Valentin Mühlberger (Wurlitzer, Moog, Gesang) Lukas Backs (Altflöte, Querflöte, Perkussion)und Laurenz Welten (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Klarinette, Bassklarinette) wurde der Klang des neuen Albums durch zwei neue Musiker*innen geprägt. Teil von WELTEN ist seit einiger Zeit Anna-Lucia Rupp (u. a. Olicía, BODIES), eine vielseitige Multi-Instrumentalistin, die mit Synthesizer, Percussion und vor allem ihrer Stimme die Klangmöglichkeiten der Band erweitert. Zudem bringt der neue Schlagzeuger Raphael Schuster mit präpariertem Schlagzeug und erweiterten perkussiven Klangquellen neue Impulse in das rhythmische Konzept der Band. Altflöte, Saxophon und die präzise Stimme von Anna-Lucia Rupp sind auf „embrace“ oft gemeinsam in Sätzen arrangiert, was einen einzigartigen Sound hervorbringt. Die Klangflächen schafft Valentin Mühlberger aus Wurlitzer, Moog und Effekten. Seine Stimme und die von Anna-Lucia Rupp ergänzen zusätzliche Ebenen, ohne dabei den Song an sich zu reißen – ein kleiner Teil eines großen Ganzen. Die Rhythmen von Raphael Schuster reichen weit über das Schlagzeug hinaus, bis hin zu einer Sammlung antiker Rührschüsseln, die seinem Großvater, einem Konditor, gehörten und auf denen er in verschiedenen Größen sogar Melodien spielt. Lukas Backs spielt hauptsächlich Alt-Flöte – eine tiefere Version der Querflöte - und liebt das spontane Experimentieren mit Percussion-Instrumenten und Alltagsgegenständen, was auf vielen Songs des Albums zu hören ist. Auch wenn die Band den Nachnamen ihres gefühlvollen Saxophonisten und Klarinettisten Laurenz Welten trägt, ist dies eher Inspiration. Einen klassischen Bandleader gibt es nicht und alle Mitglieder steuern Kompositionen bei.

Die erste Single des Albums, „Skúli & Óskar“, ist eine Hommage an die beiden isländischen Musiker Skúli Sverrisson und Óskar Guðjónsson, deren Duo-Album „The Box Tree“ eines der Lieblingsalben der Band ist. Die Liebe ging so weit, dass Saxophonist Laurenz Welten einst für ein halbes Jahr in Island gelebt und bei Óskar Guðjónsson Unterricht genommen hat. Das Video dazu entstand im Herbst 2025 auf einer artist residency der Band in dem kleinen malerischen Ort Loshult (Schweden) in der historischen Dorfkirche des Ortes.

Stefan Michalke
Album: Michalke & Strings
VÖ: 04.09.2026
Label: JazzSick Records


Mit Michalke & Strings legt der Aachener Jazzpianist und Komponist Stefan Michalke ein Album vor, das seinen künstlerischen Weg konsequent weiterführt und zugleich neue Klangräume erschließt. Erstmals verbindet er in einem eigenen Projekt ein klassisches Streichquartett mit einem Jazzquartett und schafft damit eine außergewöhnliche musikalische Begegnung zwischen improvisierter Musik und der Klangästhetik klassischer Kammermusik. Seit vielen Jahren zählt Stefan Michalke zu den prägenden Stimmen des akustischen, kammermusikalisch geprägten Jazz in Deutschland. Nach zahlreichen Veröffentlichungen in unterschiedlichen Besetzungen widmet er sich auf diesem Album intensiv den Möglichkeiten eines klassischen Streichquartetts und dessen Verbindung mit einer improvisierenden Jazzformation. Im Mittelpunkt stehen fein ausbalancierte Kompositionen, die von Transparenz, offenen Harmonien und einer bewusst zurückgenommenen Klangsprache geprägt sind. Improvisation und kompositorische Struktur begegnen sich dabei auf Augenhöhe und bilden das Fundament eines ebenso sensiblen wie ausdrucksstarken Ensemblesounds. Die musikalische Handschrift Michalkes wurde schon früh geprägt. Der in Köln geborene Pianist erhielt zunächst klassischen Klavierunterricht, bevor er sich zunehmend für Jazz begeisterte. Nach dem Studium des Jazzpianos am Conservatorium Maastricht entwickelte er sich zu einem vielseitigen Musiker, der als Bandleader, Komponist und Sideman zahlreiche Projekte realisierte. Konzertreisen führten ihn durch Europa, Asien, Brasilien und die USA, unter anderem mehrfach an der Seite der New Yorker Jazzlegende Sheila Jordan. Zu seinen wichtigsten Einflüssen zählen Bill Evans, John Coltrane, Astor Piazzolla und Johann Sebastian Bach – Einflüsse, die sich auch in der stilistischen Offenheit und melodischen Tiefe seiner Musik widerspiegeln.

Für Michalke & Strings versammelt Stefan Michalke ein hochkarätig besetztes Ensemble: Frederik Köster an Trompete und Flügelhorn, David Andres am Kontrabass und Stefan Kremer am Schlagzeug bilden das Jazzquartett. Ergänzt wird es durch das Streichquartett mit Nina Leonards und Sebastian Reimann (Violinen), Uwe Böttcher (Viola) sowie Veit Steinmann (Cello). 

Das Ergebnis ist ein Album von großer klanglicher Feinheit, das die Grenzen zwischen Jazz und Kammermusik nicht verwischt, sondern bewusst auslotet – leise, differenziert und mit großer musikalischer Offenheit.

Yves Klein und Shunk-Kender

Abbildung: Schirmer/Mosel

Klaus Ottmann "Yves Klein - Shunk-Kender", Schirmer/Mosel Verlag,
40 Seiten, 24,80 EUR, ISBN 978-3-8296-1064-3      Yves Klein (1928 – 1962), französischer Avantgarde-Künstler der 1950er Jahre, Begründer der Monochromie in der Kunst und Erfinder des International Klein Blue, kämpfte sein ganzes Leben als Künstler und Judoka gegen die Schwerkraft und übte die Kunst des Fallens, ohne sich zu verletzen. Zusammen mit dem Photographenduo Shunk-Kender inszenierte er 1960 ein Bild, für das er den Titel Der Sprung in die Leere fand. Es zeigt Yves Klein beim Sprung vom Dach eines Pariser Vororthauses und erweckt den Eindruck, der Künstler könne fliegen. Das Photo wurde wegbereitend für viele Performancekünstler nach ihm. Im Sprung in die Leere verbinden sich von Seiten des Künstlers phantastisches Denken mit sportlicher Höchstleistung. Bei der Erzeugung der Bildillusion wiederum ist die Technik des photographischen Verfahrens wesentlich. So ist diese Photographie ein Kunst-Werk im genuinen Sinn des Wortes. Harry Shunk und Janós Kender waren maßgeblich an der Inszenierung beteiligt, so dass alle drei die Autorenschaft daran beanspruchen können.
Köllefornia informiert:    Yves Klein, geboren 1928 in Nizza, Judoka, Mitbegründer und führender Vertreter des Nouveau Réalisme in Frankreich, gilt er als Vorläufer der Pop Art und Konzeptkunst und als Vertreter der Leere und Monochromie in der Kunst. Zu seinem Markenzeichen wurde ein Blauton, den er sich 1960 als „International Klein Blue“ patentieren ließ. 1955 stellte er seine monochromen Bildkompositionen erstmals in Paris, Mailand, Düsseldorf und London aus, ab 1957 entwickelte er seine heiß diskutierten Anthropometrien, Abdrücke nackter, mit Farbe bemalter Körper auf Leinwand oder Papierbahnen. 1957-1959 gestaltet er das Foyer des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen mit wandhohen Reliefs im International Klein Blue. Seinen berühmten Sprung in die Leere vollführte er im November 1960. Am 6. Juni 1962 starb Yves Klein mit 34 Jahre an einem Herzinfarkt.
Der gebürtige Deutsche Harry Shunk (1924-2006) und der aus Ungarn stammende János Kender (1937-2009) arbeiteten von ca. 1958 bis 1973 als Fotografen-Duo im Bereich Gegenwartskunst zusammen – anfangs in Paris, später in New York. Unter dem Namen Shunk-Kender dokumentierten sie Kunstwerke, Aktionen, Portraits und Performances für Galeristen und etwa 400 Künstler, darunter neben Yves Klein auch Robert Rauschenberg, Merce Cunningham, Alexander Calder, Man Ray und Christo und Jeanne-Claude. 1973 lösten sie die Zusammenarbeit auf. Kender übergab die Rechte an dem gemeinsam erarbeiteten Material an Shunk, der noch weitere 30 Jahre als Fotograf tätig war. Nach dem Tod von Harry AShunk wurde das Shunk-Kender Archiv von der Roy Liechtenstein Foundation ersteigert und ist heute auf mehrere Museen in den USA verteilt. 
Klaus Ottmann, geboren 1954 in Nürnberg, Autor, Übersetzer und emeritierter Chefkurator der Phillips Collection in Washington, ist Verleger und Herausgeber von Spring Publications, einem New Yorker Verlag mit Schwerpunkt auf Psychologie, Mythologie, Künstlertexten und Religion. 2007 veröffentlichte er seine Übersetzung sämtlicher Schriften von Yves Klein aus dem Französischen ins Englische, Overcoming the Problematics of Art: The Writings of Yves Klein. 2016 wurde er ihm von der französischen Regierung der Orden „Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ verliehen.

Köllefornia's Internettipp:
https://schirmer-mosel.com/deutsch/index.htm