Donnerstag, 5. Dezember 2019

Neue Krimis von Droemer Knaur

Abbildungen: Droemer Knaur

Sabine Fitzek "Verrat", Knaur Verlag, 368 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-426-52448-0    Für Hauptkommissar Matthias Kammowski ist nicht nur das Wetter ein Schock, als er aus dem Kuba-Urlaub in die Berliner Kälte zurückkommt: In sein Einzelbüro – ein Privileg, das er seit Jahren erfolgreich verteidigt – hat man ihm eine junge Kollegin gesetzt, die er einarbeiten soll. Und zwar gleich mit einem brisanten Mordfall, denn der Geschäftsführer eines katholischen Klinikunternehmens wurde tot in einem Berliner Hotel aufgefunden. Als Kammowski dann auch noch Besuch von der Journalistin Christine erhält, einer alten Freundin, die ihm eine haarsträubende Verschwörungstheorie über mafiose Zustände im Berliner Gesundheitssystem präsentiert, hat der Kommissar endgültig genug. Doch dann entgeht Christine nur knapp einem Anschlag auf ihr Leben.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Spannung pur mit einem guten Schuss Gesellschaftskritik. Eben ein realistischer Roman der genau in die Jetztzeit passt. Über die Autorin: Dr. Sabine Fitzek arbeitete nach dem Medizinstudium an den Universitäten Berlin, Erlangen, Mainz und Jena, wo sie sich im Fach Neurologie habilitierte. Danach war sie mehr als zehn Jahre lang als Chefärztin tätig. Seit einem Jahr ist sie freischaffend und begann über gesundheitspolitische Missstände zu schreiben, mit denen sie unfreiwillig immer wieder in Berührung kommt. Überdies berät sie gelegentlich ihren Schwager Sebastian Fitzek zum Thema psychische Extremzustände.

Douglas Preston und Lincoln Child "Grave", Droemer Verlag, 384 Seiten, 19,99 EUR, ISBN 978-3-426-22694-0    Eine äußerst morbide Mordserie wird zu einer ganz besonderen Herausforderung für Special Agent Aloysius Pendergast – denn dem erklärten Einzelgänger wird von seinem neuen Chef beim FBI ein Partner zur Seite gestellt.
Den Frischling Agent Coldmoon im Schlepptau, reist Pendergast nach Miami Beach in Florida, wo ein Serienkiller die Herzen ermordeter Frauen zusammen mit kryptischen Briefen auf Gräbern ablegt. Während es zwischen den Opfern des Killers keinerlei Verbindung zu geben scheint, stellt sich schnell heraus, dass in den Gräbern ausnahmslos Selbstmörderinnen beigesetzt sind. Doch was haben diese toten Frauen mit den neuen Morden zu tun?
Je tiefer Pendergast und Coldmoon graben, desto klarer wird ihnen, dass die Lösung des Rätsels weit in der Vergangenheit liegen muss – und dass ihr Gegner ihnen näher ist, als ihnen lieb sein kann.
Köllefornia informiert zum Buch: Nichts für schwache Nerven aber ein wie von diesem Autorenteam nicht anders gewohnt, fantastischer Kriminalroman.

Dienstag, 26. November 2019

Eisgrab

Abbildung: S. Fischer

Mads Peder Nordbo "Eisgrab", S. Fischer Verlag, 464 Seiten, 10,99 EUR, ISBN 978-3-596-70173-5    Ein Wochenendausflug mit tödlichen Folgen: Als Matthew Cave sich auf die Suche nach seiner Halbschwester Arnaaq macht, ahnt er nicht, in welche Lebensgefahr er sich und seine rätselhafte Begleiterin Tupaarnaq bringen wird. Denn sie finden viele Blutspuren an diesem abgelegenen Ort, die auf ein massives Verbrechen deuten. Und sie entdecken einen geheimnisvollen Bunker unter Tage, der vor Jahren zu einer amerikanischen Basis gehörte. Hier nahm Matthews Vater Tom Cave an einem geheimen medizinischen Experiment teil, das scheiterte. Matthews Vater wurde verdächtigt, zwei Menschen ermordet zu haben, und floh. Seither gibt es keine Spur von ihm. Als Matthew den Spuren nachgeht, interessieren sich plötzlich nicht nur das amerikanische Militär, sondern auch die grönländische Polizei für seine Nachforschungen.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Hier geht es um geheimnisvolle Geschichten, Morde und andere schlimmen Verbrechen. Nebenbei erfährt man beim Lesen so einiges über Grönland. Gut erzählt und beschrieben. Ein etwas anderer Krimi aus einem nicht so stark reflektiertem Land. Zum Autoren: Mads Peder Nordbo ist Däne, lebt und arbeitet aber seit vielen Jahren in Nuuk, mit 17 000 Einwohnern die Hauptstadt von Grönland. Wie fasziniert er von diesem Land ist, zeigen seine eindrucksvollen Fotos auf Instagram. Inspiriert von Eis, Kälte und den geheimnisvollen Riten der Inuit hat Mads Peder Nordbo diesen Thriller geschrieben.

Samstag, 23. November 2019

Kakerlake

Abbildung: Diogenes

Ian McEwan "Die Kakerlake", Diogenes Verlag, 144 Seiten, 19,- EUR, ISBN 978-3-257-07132-0    Jim Sams hat eine Verwandlung durchgemacht. In seinem früheren Leben wurde er entweder ignoriert oder gehasst, doch jetzt ist er auf einmal der mächtigste Mann Großbritanniens – und seine Mission ist es, den Willen des Volkes in die Tat umzusetzen. Er ist wild entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: weder von der Opposition noch von den Abweichlern in seiner eigenen Partei. Und erst recht nicht von den Regeln der parlamentarischen Demokratie. Ian McEwan verneigt sich vor Kafka, um eine Welt zu beschreiben, die kopfsteht.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ein humorvolles und trotzdem sehr eindringlicher sowie überzeugender Roman. Auf alle Fälle absolut lesenswert und weiterzuempfehlen. Zum Autoren: Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg "Abbitte" ist jeder seiner Romane ein Bestseller, zahlreiche sind verfilmt worden. Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

Zeichnungen von Max Beckmann bis Gerhard Richter

Abbildung: Kerber

"Große Realistik & Große Abstraktion - Zeichnungen von Max Beckmann bis Gerhard Richter", Kerber Verlag, 328 Seiten, 214 farbige und 14 s/w Abbildungen, ISBN 978-3-7356-0580-1    Der Zeichnung kommt im 20. Jahrhundert eine besondere Rolle zu. Sie ist seit jeher Medium des Suchens, Erfindens und Experimentierens. In der Moderne gewinnt sie zudem an Eigenständigkeit und Autonomie und wird – vor allem in Zeiten staatlicher Überwachung und Unterdrückung – zu einem Medium des freien Denkens. In ihrer Vielfalt spiegelt sie nicht zuletzt auch die Komplexität der rasantem Wandel unterworfenen Kultur und Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.

Das 20. Jahrhundert ist vielstimmig, widersprüchlich und extrem, auch in der Kunst: Es war ein Jahrhundert der Avantgarden, der Künstlergemeinschaften und unnachgiebigen Einzelpositionen, der Realismen und Abstraktionen. Das weite Spektrum, in dem sich die Kunst des 20. Jahrhunderts bewegt, lässt sich durch die beiden Pole charakterisieren, die Wassily Kandinsky 1911 als für die Moderne grundlegend beschrieb: die große Realistik und die große Abstraktion, das Gegenständliche und das Ungegenständliche. Dieses komplementäre Paar bildet einen Leitfaden, der die nahezu 1.800 Werke deutscher Zeichenkunst des 20. Jahrhunderts, die in der Graphischen Sammlung des Städel Museums bewahrt werden, auch über Generationen hinweg miteinander verknüpft. Diesem Pluralismus spüren die in der Ausstellung präsentierten und im Katalog bearbeiteten Zeichnungen nach, erläutert Jenny Graser, Kuratorin der Ausstellung und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Graphischen Sammlung des Städel Museums.

Den Auftakt der – bereits jetzt schon medial vielbeachteten – Ausstellung bilden meisterhafte Zeichnungen von Max Beckmann (1884–1950) und Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938). Darauf folgen Arbeiten von Mitgliedern der Künstlervereinigung "Brücke", darunter Erich Heckel (1883–1970), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Emil Nolde (1867–1956). Anknüpfend an den Expressionismus und dessen abstrahierende Tendenzen werden Zeichnungen von Rolf Nesch (1893–1975), Werner Gilles (1894–1961) und Ernst Wilhelm Nay (1902–1968) gezeigt, ebenso Aquarelle von Paul Klee (1879–1940), dessen Arbeiten sich zwischen Gegenstandsnähe und Abstraktion bewegen. Auch im geteilten Deutschland der Nachkriegszeit ist diese Auseinandersetzung mit dem Gegenständlichen und Ungegenständlichen für die Künstler prägend. Dies zeigt sich in Werken des Informel genauso wie in neoexpressionistischen Strömungen oder der Pop-Art, etwa bei Karl Otto Götz (1914–2017), Joseph Beuys (1921–1986), Gerhard Richter (*1932), Georg Baselitz (*1938), A. R. Penck (1939–2017), Sigmar Polke (1941–2010) und Anselm Kiefer (*1945). Insgesamt sind in der Ausstellung Werke von rund 40 Künstlern versammelt.

"Die Erforschung des Bestandes der Graphischen Sammlung im Städel hat eine lange Tradition und wird nun mit einer pointierten Auswahl von deutschen Zeichnungen des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. Neben der umfangreichen und international bedeutenden Sammlung von Zeichnungen Max Beckmanns und der "Brücke"-Künstler verwahrt das Städel herausragende Werke von Paul Klee, Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay, Wols, Joseph Beuys, Georg Baselitz, Gerhard Richter und vielen anderen Künstlern. An diesen ausdrucksstarken, bis 1989/90, der Zeit der deutschen Wiedervereinigung, entstandenen Arbeiten lassen sich die Brüche, aber auch die Kontinuitäten des 20. Jahrhunderts, die sich verändernde Rolle und Aufgabe des Mediums der Zeichnung eindrucksvoll nachvollziehen", erklärt Städel Direktor Philipp Demandt.

Köllefornia informiert:    Ein grandioses Kunstbuch stellt der Kerber Verlag hier kunstinteressierten Menschen zur Verfügung. Ein Werk das man sich öfters einmal zu Gemüte führen sollte. Hervorragende Zeichnungen von bildenden Künstlern der ersten Garde. Übrigens, wer sich die Originale ansehen möchte, hat noch bis zum 16. Februar 2020 Zeit: Städel Museum, Frankfurt.

Vier Jahre

Abbildung: Heyne

Carin Gerhardsen "Vier Jahre", Heyne Verlag, 400 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-453-43992-4    Winter 2014: Gotland ist bedeckt von einer dicken Schicht Schnee. Eine junge Frau steigt bei einem fremden Mann ins Auto, auf der anderen Seite der Stadt macht sich ein Liebespaar auf den Weg zu einem heimlichen Treffen. Kurze Zeit später wird die Stille der schwedischen Wälder zerrissen von zwei kollidierenden Autos. Ein Unfall, der nicht nur einem Mann das Leben kostet, sondern auch verheerende Folgen für alle Beteiligten hat … Doch das Schlimmste daran: Unter der Eisschicht liegt eine Wahrheit begraben, die erst Jahre später an die Oberfläche drängt.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ganz schön prickelnd geschrieben. Selbst die Beschreibungen der Landschaft kommt in diesem nordischen Roman nicht zu kurz. Es wird LeserInnen geben, die sich diesem Stil der Erzählkunst nicht ganz so wie gewohnt hingeben können. Aber gerade diese etwas andere Sprache der Autorin macht den Roman spannend. Er hebt sich von den so einheitlichen Bücher deutlich ab. Ein Lesespaß für alle die Krimis auch durch literarische Augen verschlingen. Mehr über die Autorin: Carin Gerhardsen studierte zunächst Mathematik an der Universität Uppsala und arbeitete anschließend als Informatikerin, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Ihr Debüt hatte sie bereits 1992. Ihre Bücher stürmen regelmäßig die schwedischen Bestsellerlisten. "Vier Jahre" ist ihr erster Roman bei Heyne.

Das Erbe

Abbildung: Penguin

Ellen Sandberg "Das Erbe", Penguin Verlag, 512 Seiten, 15,- EUR, ISBN 978-3-328-10402-5    Spätsommer 2018. Über Nacht ist Mona Lang reich. Ihre Großtante Klara hat ihr ein großes Haus in München-Schwabing vermacht, denn sie war sich sicher: "Mona wird das Richtige tun." Was damit gemeint ist, versteht Mona nicht. Doch kaum hat sie Klaras Erbe angetreten, kommt sie einer Intrige auf die Spur, die sich um die Vergangenheit des Hauses rankt – und um ihre Familie.
München 1938. Die junge Klara belauscht an der Salontür ein Gespräch zwischen ihrem Vater und ihrem Vermieter, dem jüdischen Unternehmer Jakob Roth. Es geht um die bevorstehende Auswanderung der Roths – und ein geheimes Abkommen.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ellen Sandberg
beherrscht eine hervorragende Erzählkunst. Auch in diesem Roman beeindruckt sie durch die Umsetzung eines nicht ganz einfachen Themas, der Zeit des Nationalismus. Textpassagen, die unter die Haut gehen und einem nachhängen, aber auch Mut machen diese Zeit nicht wiederholen zu lassen. Ein präzis sowie gekonnt geschriebener Roman der ganz aktuell daherkommt. Gewürzt mit einem Schuss Romantik ist er absolut lesefreudig. LeserInnen, die ihr Geschichtswissen auffrischen möchten und außerdem eine nachdenkliche und fesselnde Lektüre suchen sind mit diesem Buch bestens beraten.
Mehr über die Autorin: Ellen Sandberg ist das Pseudonym der erfolgreichen Münchner Autorin Inge Löhnig. Ihre Krimis und Romane stehen regelmäßig in den Top Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete.

Montag, 18. November 2019

Dunkle Freunde

Abbildung: Rowohlt

Chris Brookmyre "Dunkle Freunde", ro ro ro Verlag, 544 Seiten, 13,- EUR, ISBN 978-3-499-27492-3    Tagsüber kümmert sich die Studentin Sam um die Schwester Lilly, die an Trisomie 21 leidet. Nachts wird Sam die begnadete „Buzzkill“. Sie ist Mitglied der gegen Ausbeutung kämpfenden Hackergruppe “Uninvited”. Die Hacker kennen sich nicht, aber trotzdem sind dort Sams wahre Freunde. Der letzte Coup war ein voller Erfolg. Genießen kann Buzzkill ihren Triumph nur kurze Zeit. Ein gewisser Zodiac erpresst sie. Er kennt ihre wahre Identität und weiß, was sie getan hat. Damit kann er sie erpressen. Sam hat keine Wahl, auch wegen Lilly: Sie muss für ihn einen illegalen Auftrag erfüllen - und dazu braucht sie einen alten Verbündeten: Parlabane.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ein ganz brisantes und genau in unserer Zeit passendes Buch über Wirtschaftskriminalität und anderen Machenschaften. Sehr spannend zu lesen. Zum Autoren: Chris Brookmyre, geboren 1968 in Barrhead bei Glasgow, arbeitete nach seinem Studium der Englischen Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaften als Journalist in London, Los Angeles and Edinburgh. Der mehrfach preisgekrönte Autor lebt in Glasgow. «Dein Ende» wurde 2017 mit dem Theakston Old Peculier Crime Novel of the Year und dem Bloody Scotland McIlvanney Prize for Crime Novel of the Year ausgezeichnet. Insgesamt sind allein in Großbritannien mehr als 1 Million Exemplare von Jack Parlabane-Romanen verkauft worden.