Samstag, 18. Mai 2019

Nuggets

Abbildung: Scheidegger & Spiess

Tom Haller "Nuggets - American Landscapes - Reise ins Landesinnere der USA", Verlag Scheidegger & Spiess, 112 Seiten, 55 farbige Abbildungen, 48,- EUR, ISBN 978-3-85881-602-3    Der Schweizer Fotograf Tom Haller hat sich einen Namen als Porträt- und Reportagefotograf gemacht. Seit 1990 hat er auf Reisen durch die USA auch ein umfangreiches Werk an Landschaftsbildern geschaffen, die uns seinen Blick auf das Gesicht Amerikas zeigen. Aus der Perspektive des Reisenden schaut Haller in die Prärie, auf Berge und in den Himmel, auf Strassen, Wohnhäuser und Motels, Sportarenen, Shops und auf im Niemandsland vergessene Autowracks. Seine Aufnahmen bilden die Verheissung dieser Landschaften und die Grenzen der durch sie angeregten Träume ab.
Die sorgfältig ausgewählten Bilder in diesem Buch – gewissermassen fotografische Nuggets – erzählen von Aufbruch und Wunsch, von Verfall und Melancholie und damit vom Zustand des Staates und der Stimmung seiner Bewohner. Ausgehend von Tom Hallers Fotografien reflektiert der bekannte Journalist Christian Seiler, auch er ein weit gereister Amerikakenner, die Intentionen des Fotografen, aber auch die Gestimmtheit des Landes.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Tolle Bilder auf denen Menschen voll in den Hintergrund treten. Aufnahmen die Fotoliebhaber unbedingt in ihrem Bücherregal parken sollten. Ein Juwel zwischen zwei Buchdeckel. Zu den Autoren: Tom Haller, geboren 1964, lebt und arbeitet seit 1994 von Zürich aus als freischaffender Fotograf mit Schwerpunkt Porträt und Reportage.
Christian Seiler, geboren 1961, lebt und arbeitet in Wien als selbstständiger Autor und Herausgeber. Als Kolumnist schreibt er u.a. für "Das Magazin".

Donnerstag, 16. Mai 2019

Ein letzter Sommer

Abbildung: Dumont

Cay Rademacher "Ein letzter Sommer in Méjean", Dumont Buchverlag, 448 Seiten, 22,- EUR, ISBN 978-3-8321-8371-4      Méjean, ein Fischerdorf an der Côte Bleue, in dem Bewohner und Gäste die ersten heißen Tage genießen. Bis fünf Fremde aus Deutschland anreisen. Mit ihnen kehren die düsteren Erinnerungen an ein seit dreißig Jahren ungelöstes Verbrechen zurück – und damit Misstrauen, Angst und Hass. Sommer 1984: Claudia und Dorothea, Oliver, Barbara, Rüdiger und Michael haben gerade Abitur gemacht. Die Clique verbringt einen letzten gemeinsamen Urlaub im Ferienhaus von Michaels Eltern und verlebt eine großartige Zeit. Bis eines Nachts Michael zum Schwimmen in eine Bucht geht und nicht wieder auftaucht. Am nächsten Tag wird seine Leiche gefunden, und es ist klar: Es handelt sich um Mord. Doch die Polizei findet keinen Schuldigen, weder unter den Deutschen noch unter den Einheimischen. Nun, im Sommer 2014, sind die fünf überlebenden Freunde von einst wieder zusammen in Méjean. Sie haben sich längst aus den Augen verloren. Manche haben Karriere gemacht, andere sind gescheitert. Aber sie alle haben einen Brief erhalten, der sie an diesen Ort zurückzwingt. Auch Commissaire Renard aus Marseille reist an, der ebenfalls ein Schreiben erhalten hat. Denn in diesem Sommer in Méjean, so verspricht der anonyme Absender, werden sie endlich Michaels Mörder finden.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Sehr lesenswert, nicht zuletzt wegen vieler historischer Dinge, die so neben der eigentlichen Geschichte daherkommen. Großes Lob. Zum Autoren: Cay Rademacher, geboren 1965, ist freier Journalist und Autor. Bei DuMont erschienen seine Kriminalromane aus dem Hamburg der Nachkriegszeit.

Samstag, 11. Mai 2019

Fast nichts - Almost nothing

Abbildung: Park Books

Christian Bjone "Almost nothing", Park Books Verlag, 240 Seiten, 48,- EUR, ISBN 978-3-03860-080-8    Einhundert Künstler kommentieren das Werk von Mies van der Rohe. Von Mies van der Rohe inspirierte Kunstwerke internationaler Künstler wie Rita Ernst, Daniel Libeskind, Sarah Morris, Erwin Wurm, Rem Koolhaas, Konstantin Grcic, Kurt Schwitters, Carl André, Peter Eisenman, Isa Genzken, Alexander Calder, Thomas Ruff, Ed Ruscha, Thomas Schütte, Yves Klein, Christo und Jeanne-Claude, Dan Graham und andere.

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) ist zweifellos einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten aller Zeiten. Seine Entwürfe und realisierten Gebäude sowie sein Denken und Schreiben lösen bis heute viele kontroverse Debatten über Leistung und Misserfolg in der modernen Architektur aus. Doch nicht nur Architekten und Stadtplaner ließen sich von Mies van der Rohe inspirieren oder entsetzen. Dieses neue Buch zeigt, dass sein Einfluss weit über die Grenzen der professionellen Architekturwelt hinausreicht.

Fast nichts sammelt Werke von einhundert Malern, Bildhauern, Fotografen, Filmregisseuren, Designern, Cartoonisten und Architekten, die sich zu Gebäuden, Entwürfen und Statements des legendären Architekten äußern oder diese angemessen darstellen. Die Werke bilden auch eine hundertfache Neuinterpretation von Mies van der Rohes Leben und Werk. Der in New York lebende Architekt und Schriftsteller Christian Bjone liefert in seinem Ergänzungstext umfangreiche Hintergrundinformationen zu den einzelnen Künstlern und den abgebildeten Kunstwerken.

Köllefornia informiert:    Zum Buch: Tolle sowie anspruchsvolle Hintergrundinformationen und interessante Ein- und Ansichten von Künstlern. Für alle die sich detailliert mit dem Werk Mies van der Rohe auseinandersetzen.

Berlin Prepper

Abbildung: Suhrkamp

Johannes Groschupf "Berlin Prepper", Suhrkamp Verlag, 236 Seiten, 14,95 EUR, ISBN 978-3-518-46961-3    Als Online-Redakteur bei einer großen Tageszeitung muss Walter Noack die Pöbeleien und Hasstiraden in den Kommentaren löschen. Tausende Male am Tag ist er mit den widerwärtigsten Beschimpfungen konfrontiert. Sein Nervenkostüm wird noch dünner, als er und später eine Kollegin von Unbekannten anscheinend grundlos zusammengeschlagen werden und er auch noch einen privaten Verlust erleiden muss. Die Polizei zeigt sich bei all dem machtlos. Das tägliche Gift, der Dauerhass sickert schließlich auch in Noacks Seele. Er schliddert allmählich in die trübe Szene von waffenhortenden Preppers, Reichs-und Wehrbürgern, abgestoßen und fasziniert zugleich. Als es in Berlin während der brutalen Sommerhitze zu Großbränden, Unruhen und offener Anarchie kommt, merkt er, dass er sich mit den falschen Leuten eingelassen hat. Jetzt geht es nur noch um Leben oder Tod.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ganz schön aktueller Lesestoff. Schön, allerdings nicht die von Hass erfüllten Wut- und Reichsbürger, die im Roman eine Hauptrolle spielen. Sehr lesenswerte heutige Geschichte. Zum Autoren: Johannes Groschupf, 1963 in Braunschweig geboren, wuchs in Lüneburg auf. Studium der Germanistik, Amerikanistik und Publizistik an der Freien Universität in Berlin. Viele Jahre als freier Reisejournalist für Die Zeit, FAZ, FR u.a. unterwegs. 1994 Hubschrauberabsturz in der Sahara. 1998 entstand aus dieser Erfahrung das Radio-Feature "Der Absturz", das im Jahr darauf den Robert Geisendörfer Preis erhielt. Danach literarische Arbeiten, v. a. im Jugendbuchbereich, und Artikel für Tagesspiegel und Die Welt. Zuletzt erschienen: Lost Places (2013), Der Zorn des Lammes (2014), Das Lächeln des Panthers (2015) Lost Girl und Lost Boy (2017).

Die Erfindung der Neuen Wilden

Abbildung: Verlag der Buchhandlung Walther König

"Die Erfindung der Neuen Wilden. Malerei und Subkultur um 1980", Hrsg. von Benjamin Dodenhoff & Ramona Heinlein. Mit Beiträgen von Thomas Bayrle, Werner Büttner, Diedrich Diederichsen, Catherine Dossin, Ramona Heinlein, Christian Höller, Katrin Köppert, u.a., 17 x 23,5 cm. 432 S. mit 220 (110 farb.) Abb., broschiert, Text in dt. & engl. Sprache, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, ISBN 978-3-96098-570-9, Buchhandel: 39,80 EUR, Museumspreis: 29,80 EUR

Die Kunst der sogenannten „Neuen Wilden“ in Deutschland steht für die Wiederbelebung der figurativen Malerei um 1980. Zu ihren bekanntesten Protagonisten gehören Martin Kippenberger, Werner Büttner, Salomé und Walter Dahn.

„Die Erfindung der Neuen Wilden“ ist als Forschungs- und Ausstellungsprojekt von der Peter und Irene Ludwig Stiftung und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert worden, um das Entstehen des „Booms“ der so genannten Neuen Wilden um 1980 unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Sammlung Ludwig und der Ausstellung von Wolfgang Becker 1980 zu untersuchen. Die Ausstellung, die vom 12.10. 2018 bis 10.03.2019 im Ludwig Forum Aachen zu sehen war, versammelte Kunstwerke sowie Archivalien, Film- und Fotodokumentationen der Zeit.

Die soeben erschienene Publikation fasst die Forschungsergebnisse zusammen und widmet sich einer kritischen Neubewertung des Phänomens. Sichtbar wird ein erweitertes Netzwerk künstlerischer Produktion, das bildende Kunst mit Mode, Fotografie, Literatur, Popmusik und Performance verknüpft. Neben vielfältigem fotografischem und dokumentarischem Material enthält der Band aktuelle Beiträge von ausgewählten Autoren, Interviews mit Beteiligten sowie kommentierte Quellentexte.

Köllefornia informiert:    Zum Buch: In den 1980er Jahren waren die Protagonisten schon eine wilde Mischung aus unterschiedlichen Individuen. Ihre lockeren Auftritte in TV Shows oder bei ebenso wilden Eröffnungsfeiern bleiben legendär. Eines jedoch vermochten die damals so außerirdisch anmutenden Kreativen gemeistert zu haben, sie provozierten die Menschen. Wie einst die Dadaisten und Fluxuskünstler, wurde über sie positiv oder negativ gesprochen. Sie gehörten einfach zu dieser Zeit dazu. Ohne sie wäre unsere Kunstwelt weitaus ärmer. Das Buch liefert Nahaufnahmen und Neuigkeiten für Kunstinteressierte. Ein Werk das die Kunstgeschichte komplettiert. Bravo.

Freitag, 10. Mai 2019

Neue empfehlenswerte Krimis

Abbildungen: Ullstein

Remy Eyssen "Mörderisches Lavandou", Ullstein Verlag, 496 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-5482-9126-0    Die Feriensaison in Le Lavandou ist zu Ende, und der kleine Ort sollte sich vom sommerlichen Trubel erholen. Auch Rechtsmediziner Leon Ritter hat nun mehr Zeit, um seinen Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen: Café au lait trinken und Boule spielen. Da verschwindet eine Hotelangestellte in den einsamen Hügeln der Provence, und kurz darauf wird ihre Leiche gefunden. Damit sind auch Leon Ritters Hoffnungen auf einen beschaulichen Spätsommer dahin. Schnell gibt es einen ersten Verdächtigen, doch Leon zweifelt an dessen Schuld. Er stellt eigene Nachforschungen an und steht deshalb bald selbst in der Kritik. Die einzige, die noch zu ihm hält, ist seine Lebensgefährtin, Capitaine Isabelle Morell, doch plötzlich ist die stellvertretende Polizeichefin verschwunden.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Rasant und fesselnd erzählt,überzeugend geschrieben. Zum Autoren: Remy Eyssen (Jahrgang 1955), geboren in Frankfurt am Main, arbeitete zunächst als Redakteur bei der Münchner Abendzeitung, später als freier Autor für Tageszeitungen und Magazine. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Drehbücher. Bis heute folgten zahlreiche TV-Serien und Filme für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller. Mit seiner Krimireihe um den Gerichtsmediziner Leon Ritter begeistert er die Leserinnen und Leser und landet regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Manuela Obermeier "Gegen deinen Willen", Ullstein Verlag, 416 Seiten, 9.99 EUR, ISBN 978-3-548-29172-7    Mitten in der Nacht erreicht Hauptkommissarin Toni Stieglitz ein Anruf aus der Zentrale: Im Englischen Garten wurde ein toter Mann gefunden – eingeritzt in seine Brust das Wort "Drecksau". Der Tote war Lehrer und hatte scheinbar junge Mädchen heimlich fotografiert. Ein klarer Fall von Rache. Wären da nicht die anonymen Hinweise, die Toni kurze Zeit später zugespielt werden. Warum sammelte der Mann Informationen über die Herstellung von K.O.-Tropfen? Musste er deshalb sterben?
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Kompliment, ein toller Roman der auf mehr Lesestoff dieser noch nicht so bekannten Autorin hoffen lässt. Zur Autorin: Manuela Obermeier kam 1970 in München zur Welt. Sie begann bereits in der fünften Klasse mit ihrem ersten Roman, schlug nach dem Abitur aber eine ganz andere Richtung ein und ging zur Polizei. Das Schreiben hat die Polizeihauptkommissarin jedoch nie losgelassen.

Samstag, 4. Mai 2019

10 Stunden tot

Abbildung: Ullstein

Stefan Ahnhem "10 Stunden tot", Ullstein Verlag, 496 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-550-20005-2    Ein Mörder wählt seine Opfer scheinbar zufällig aus. So hinterlässt er keine Spuren. Kommissar Fabian Risk und das Helsingborger Kommissariat stehen vor einem Rätsel.
Helsingborg ist nicht mehr der idyllischen Ort an der schwedischen Küste, der er mal war. Während eine Reihe von Morden die Stadt erschüttert, kämpft Kommissar Fabian Risk gegen sein ganz persönliches Leid: Seine Familie droht an seiner Arbeit als Mordermittler zu zerbrechen. Aber sein Job ist sein Leben. Er kann nicht anders und nimmt sich der Aufklärung der Morde an, doch er findet keine Spur. Risk und seine Kollegen ahnen nicht, dass der Täter seine Opfer durch ein Würfelspiel rein zufällig auswählt, genau wie die Mordwaffe und den Tatort. So lassen sich keinerlei Verbindungen zu ihm herstellen. Wird dieser Fall ungelöst bleiben?
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Wer glaubt, das sich dieser Krimi mit seinen fast 500 Seiten langsam liest, irrt gewaltig. Durch seine fesselnde Art werden Sie Seite für Seite im Eiltempo verschlingen. Allerdings sollten interessierte Leser auch wissen, dass es in dem Roman auch politisch einhergeht. Die existierende Ausländerfeindlichkeit in Schweden wird hier ausführlich einbezogen. Ein wichtiges Thema, dass selbst neben einem Kriminalfall den es zu lösen gilt, einiges an realen Informationen vermittelt. Lesestoff, der teils nachdenklich stimmt und in der Geschichte bestens eingebunden wurde. Zum Autoren: Stefan Ahnhem ist einer der erfolgreichsten Krimiautoren Schwedens. Seine Bücher sind allesamt Bestseller und preisgekrönt. Bevor Ahnhem begann, selbst Krimis zu schreiben, verfasste er Drehbücher unter anderem für die Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Kopenhagen.