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| Vor- und Rückseite des aktuellen Buches von Hartmut Kraft. (Foto: Lydia Tress) |
Hartmut Kraft "Peter Gilles - Am Rande des Vulkans", Verlag Kettler, 263 Seiten, 38,- EUR, ISBN 978-3-98741-228-8 Peter Gilles, eine Künstlerpersönlichkeit, die bis an ihre Grenzen agierte. Der 1953 geborene und 2017 verstorbene Aktionskünstler war zu Lebzeiten ein umstrittener Mensch, da die einen ihn feierten und die anderen ignorierten. Besonders Kunstkritiker tendierten zur letzteren Gruppe.
Dieses von Hartmut Kraft herausgegebene Werkverzeichnis war längst überfällig und öffnet neben seinem Werdegang auch einen intimen Einblick in sein Leben. Ein Gespräch mit seiner Lebensgefährtin Birgit Kahle und Hartmut Kraft schärft den heutigen Blick auf sein Kunstschaffen enorm.
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| 2005 erschien diese längst vergriffene Edition von Peter Gilles im Magazin Köllefornia. (Fotos: Lydia Tress) |
Peter Gilles hatte zurzeit, als unser Magazin Köllefornia noch als Printausgabe mit Künstlerbeilagen erschien, 2005 eine signierte und unikatär überarbeitete Fotografie beigesteuert (siehe Abbildung). Das war übrigens die letzte Edition vor seinem Tod.
Hauptsächlich beschäftigte er sich mit Aktionskunst, zu der er auch die Herstellung seiner kleinen und großformatigen Werke zählt. Meistens verwendete er Schwarz, Weiß und Rot, wobei letztere Farbe auch durch Eigenblut ersetzt wurde. Bei der Blutabnahme unter ärztlicher Aufsicht kam es bei einigen Performance-Zuschauern schon mal zu Ohnmachtsanfällen.
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| Einige Einladungen zu Gilles-Ausstellungen. Foto: Lydia Tress |
Gilles gehörte ab Ende der 1970er Jahre in Köln neben Theo Lambertin, Jürgen Klauke, C. O. Päffgen und Charly Banana zu den Avantgardekünstlern. Unter der Obhut des Galeristen Ingo Kümmel wurde sein kunsthistorisches Wissen erweitert. Bei einem oder auch zwei Kölsch (Kölsch ist ein helles obergäriges Bier) mit schriftlichen Aufzeichnungen auf Bierdeckeln erweiterte sich sein Kunstbegriff.
Unter den Wenigen, die seine Kunstsprache verstanden, befanden sich auch das Sammlerehepaar Irene und Peter Ludwig, die ein Werk erwarben.
Schön, dass Hartmut Kraft dieses großartige Buch auf den Weg gebracht hat. Es ist vollgepackt mit Informationen und Abbildungen und sollte Ansporn für so manche Galerie und so manches Museum sein, seine Arbeiten noch einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Werkverzeichnis erleichtert den Einstieg in sein Werk und bietet eine wahrhaftige Hilfestellung an. (Text: Horst Tress)
Über den Autor: Prof. Dr. Hartmut Kraft, geboren 1949 in Ratingen. Nach dem Medizinstudium Ausbildung zum Nervenarzt (Arzt für Neurologie und Psychiatrie), parallel hierzu Weiterbildung zum Psychoanalytiker, 1999 Ernennung zum Lehranalytiker (DPG, DGPPT). Von 1984 bis 2016 in eigener Praxis in Köln niedergelassen. Seit 2014 Honorarprofessor an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn im Fachbereich Bildungswissenschaften. Zahlreiche Buchpublikationen zu den Grenzgebieten zwischen Psychiatrie, Psychoanalyse, Kunst und Ethnologie wurden veröffentlicht.
Vorankündigung: Vom 11. Juli bis zum 31. Oktober 2026 findet im Kunstmuseum Villa Zanders, Konrad-Adenauer-Platz 8 in 51465 Bergisch Gladbach eine Kabinettausstellung "Am Rande des Vulkans: Blut als Material in der Kunst" statt. Dort stehen neben Joseph Beuys, Felix Droese, Jenny Holzer und Hermann Nitsch natürlich die Werke von Peter Gilles im Mittelpunkt. Im Rahmen dieser Ausstellung wird es auch möglich sein, dieses Buch käuflich zu erwerben.
Köllefornia's Internettipp:



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