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| Abbildung: Scheidegger & Spiess |
Katharina Schmidt "Sigmar Polke. Die Reise. 1980–1981", Scheidegger & Spiess, 68,- EUR, gebunden,
432 Seiten, 324 farbige und 50 s/w-Abbildungen, 24 x 32.5 cm, ISBN 978-3-03942-302-6 Aus der vitalen rheinischen Kunstszene brach Sigmar Polke (1941–2010) 1980 mit Britta Zoellner nach Südostasien auf. Eine geplante stille Arbeitszeit auf Bali wurde zu einer 13-monatigen Reise von Indonesien über Singapur nach Papua-Neuguinea, Australien, Tasmanien, Malaysia und Thailand. Fasziniert von den alten Hochkulturen, der Gamelan-Musik, dem Schattentheater, wandten sie sich vermehrt ethnischen Gesellschaften und deren Lebensformen zu, vor allem aber auch der Natur, der tropischen Fauna und Flora.
Dank Zoellners Kalendernotizen, Filmen und Fotos sowie anderer unveröffentlichter Quellen zeichnet die Kunsthistorikerin Katharina Schmidt erstmals diese kaum bekannte Reise chronologisch genau nach. Sie untersucht, wie die intensive Erfahrung anderer Kulturen und grandioser Landschaftsräume, auch das Entdecken kosmischer Ereignisse durch Meteoriten, den Künstler bewegte. Dabei schildert sie, wie der Nuancenreichtum der Farbeindrucke und die Fülle der Beobachtungen künftig Polkes Kunst, seinen Naturbegriff und seine Vorstellungen von Raum und Zeit prägten. Empathie für das Schicksal indigener Völker unter kolonialer Herrschaft und für eine durch Ausbeutung der Bodenschätze wie Uran oder Gold gefährdete Natur lässt erkennen, wie achtsam und weitblickend diese stille, konzentrierte Künstlerreise verlief.
Köllefornia informiert: Über das Buch: Ja, heute sind wir alle, immer mit dem Smartphone bewaffnet, in der ganzen Welt unterwegs. Ob das schlechter oder besser als es früher war, ist und bleibt dahingestellt. Polke jedenfalls, hat es vor fast 50 Jahren geschafft, seine Reiseeindrücke in seinen Bildern festzuhalten. Mittels Fotografien, Filmen und seinen Aufzeichnungen brachte uns der Künstler seine Reise näher. Gepaart mit Ansichtskarten, Briefen und vielen Informationen anhand tagebuchähnlicher Einträge. Dank Katharina Schmidt wurde dieser lobenswerte Kunstband hervorragend ausgearbeitet. Alltägliche Situationen, Beschreibungen von Land, Leuten und Kulturen erklärt. Und, immer wieder die Frage im Hinterkopf, welche Deutschen vor ihm da waren und aus welchen Gründen. Ein interessanter Ansatz, der uns Lesern neue Sichtweisen und Erkenntnisse ermöglicht sowie die Kultur fremder Völker, die er und seine Begleiterin Britta Zoellner auf dieser über ein Jahr andauernden Reise aufgesogen haben, näherbringt. Diese Frau an seiner Seite sprach später von einer sehr nachdenklichen und stillen Reise.
Als sie wieder in Deutschland angekommen waren, wurde Sigmar Polke sofort kreativ und fing an zu malen. Nun hatte er einen ganz anderen Bezug zur Farbe gewonnen. Ihm fielen die vielen Begegnungen ein und er sinnierte darüber, wie die Farbe und deren Bedeutungen von anderen Menschen auf der Welt wahrgenommen werden. Fazit: Man kann festmachen, dass der Maler Sigmar Polke fortan anders als vor seiner Reise Werke schuf und sich erkenntnisreicher präsentierte. (ht)
Über die Autorin: Dr. Katharina Schmidt (* St. Goar am Rhein) studierte Theatergeschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie an den Universitäten München und Wien, wo sie 1968 promovierte. Von 1972 bis 1980 war sie Kuratorin an der Kunsthalle Düsseldorf. Zwischen 1981 und 1985 leitete Schmidt die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und von 1985–1992 das Kunstmuseums Bonn (verantwortlich für den Museumsneubau). 1990 wurde sie mit dem ART Cologne-Preis für Ausstellungen und wissenschaftliche Begleitung der Gegenwartskunst ausgezeichnet und 1994 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Schmidt war von 1992–2001 Direktorin der Öffentlichen Kunstsammlung Basel (Kunstmuseum und Museum für Gegenwartskunst mit Emanuel Hoffmann-Stiftung) und ist bis heute Mitglied in zahlreichen internationalen Fachgremien und kulturellen Stiftungen. Katharina Schmidt lebt in Zürich.
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| Auch Klapptafeln beherbergt das opulente Werk. Foto: Lydia Tress |
Über den Künstler: Sigmar Polke wurde am 13.2.1941 in Oels (Schlesien) geboren. Während des zweiten Weltkrieges floh die Familie nach Thüringen und ließ sich 1953 in Düsseldorf nieder. Hier absolvierte Sigmar Polke eine Glasmaler-Lehre und studierte anschließend von 1961–67 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Otto Götz und Gerhard Hoehme. Schon zu Studienzeiten organisierte er zusammen mit seinen Kommilitonen Manfred Kuttner, Konrad Lueg und Gerhard Richter eine erste öffentliche Ausstellung unter dem Label Kapitalistischer Realismus. Erste Gruppen- und Einzelausstellungen in Galerien in Düsseldorf, Köln, Berlin, Hannover u.a. folgten, ebenso eine Professur an der HFBK, Hamburg (1970/71). Ein reger Austausch mit anderen Künstlern und Kulturschaffenden auf dem eigenen Gaspelshof in Willich und in der Schweiz sowie Reisen ins Ausland (Afghanistan/Pakistan, New York) und erste internationale Ausstellungen (Biennale São Paulo, 1975) prägten die 1970er Jahre. Eine erste retrospektive Ausstellung seines Werks wurde 1976 in Tübingen, Düsseldorf und Eindhoven gezeigt. 1978 zog Sigmar Polke nach Köln, wo er bis zu seinem Tod am 10.6.2010 lebte und arbeitete. Sigmar Polkes umfangreiches Werk umfasst Malerei, Arbeiten auf Papier, Fotografie, Film, Objekte und Grafik. Sein unkonventioneller und experimenteller Umgang mit unterschiedlichen Medien und Materialien sowie seine reichen Bildwelten machten ihn zu einem der einflussreichsten deutschen Nachkriegskünstler, dessen Werk junge Künstler bis heute inspiriert.
Köllefornia's Internettipp:
https://www.scheidegger-spiess.ch/
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