Sonntag, 22. Februar 2026

Musiktipp: Gregor Schor und das größte gemeinsame Vielfache

Foto: Lydia Tress

Ein Jazz-Silberling, der unsere Ohren auf Anhieb verzaubert. Hier treffen sich Freiheit der Improvisation und gelernte Komposition. Die Scheibe "Am Grund" erscheint am 10. April 2026 und macht jetzt schon Laune auf den Frühling.

Hervorragende Musiker werden somit die aufblühende Jahreszeit mit ihren musikalischen Formen des Jazz begrüßen. Die ausgefallenen Titel der CD schließen ebenso auf neuartige Spuren abseits des Mainstreams. Titel wie Smetterling, Ölbach, Dooschlogdadoo und Grauer Kopf lassen aufhorchen.

Album: Am Grund, EAN: 885150721971, Format: CD, LP, digital. Vertrieb: The Orchard

Köllefornia's Internettipp:
https://www.jazzsick.com/

Neues aus dem Kampa Verlag

Abbildungen: Kampa

Dana Stabenow "Unter der Erde Alaskas", Kampa Verlag,
272 Seiten, 18,90 EUR, ISBN 978-3-311-12132-9     Bei minus vierzig Grad und Windstärke fünf einen Bohrkopf von der Ladefläche eines Pick-ups wuchten? Kein Problem für Kate Shugak. Als Hilfsarbeiterin getarnt, ist die Ex-Ermittlerin der Staatsanwaltschaft von Anchorage in Prudhoe Bay unterwegs. Viertausend Angestellte schuften hier für die Royal Petroleum Company, und einige von ihnen gehen illegalen Geschäften nach: Ein halbes Dutzend Überdosen wurden in drei Monaten gemeldet – eine davon tödlich. Der Vorstandsboss des Ölkonzerns hat gar keine Lust, das Problem einer Frau zu übertragen. Erst recht keiner indigenen. Doch Kate Shugak ist die beste Ermittlerin Alaskas, sie kennt Land und Leute wie niemand sonst. Und sie stellt bald fest: Kokain ist nicht die einzige illegale Substanz, mit der hier gehandelt wird, und die wahren Drahtzieher schrecken vor nichts zurück.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Neben den Kriminalfall brilliert dieser Roman auch von den Beschreibungen Alaskas. Somit haben die Leser zwei Fliegen mit einer Klappe erwischt. Über die Autorin: Dana Stabenow, geboren 1952 in Anchorage, Alaska, wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, die im Golf von Alaska auf einem Fischerboot arbeitete. Die Eiseskälte in ihrem Heimatstaat im Winter und das Springen der Lachse in den Flüssen im Sommer kennt die Autorin ebenso gut wie ihre Protagonistin. Stabenow erwarb einen Bachelor in Journalismus und einen Master in Creative Writing und schreibt seither Kriminalromane und Science Fiction. Für "In der Kälte Alaskas", den ersten Band der derzeit dreiundzwanzig Bände umfassenden Kate­-Shugak­-Reihe, wurde sie mit dem Edgar Award ausgezeichnet. 2007 wurde sie vom Staat Alaska zur Künstlerin des Jahres gekürt. Die Autorin selbst sagt über ihren Werdegang: "Ich bin in Anchorage geboren und auf einem Fischerboot in Südalaska aufgewachsen, und ich wusste, dass es irgendwo da draußen einen wärmeren, trockeneren Job geben musste."

Alex Lépic und Alexander Oetker "Lacroix und der Flussschiffer von der Seine", Kampa Verlag, 208 Seiten, 19,90 EUR, ISBN 978-3-311-12580-8    Die Touristen auf dem Pont Alexandre III sind entsetzt. Statt den Eiffelturm zu fotografieren, der sich gegenüber in den Himmel reckt, starren sie über das Geländer nach unten: Auf dem Flussschiff, das gerade die Brücke passiert, liegt ein Mann. Seit Stunden tot, wie die Polizei später feststellt, und unentdeckt durch das halbe Land geschippert. Commissaire Lacroix eilt ans Seineufer und an Bord der Romantica, doch die wortkarge Crew will von der Leiche nichts gewusst haben. Ihre Ermittlungen führen Lacroix und seine Kollegin Jade Rio die Seine entlang bis in die Normandie, wo Laurent Poissy seinen Bruder Sylvain als vermisst gemeldet hat. Ihr Boot war zeit ihres Lebens das Zuhause der beiden Schiffer. Sylvain Poissy wollte seinen Fluss sauber halten, kämpfte gegen Drogenhandel, Schmuggel und Korruption. Musste er deshalb sterben? Lacroix wird bald klar: Der geplante Ausflug nach Giverny mit seiner Frau Dominique fällt ins Wasser.
Köllefornia informiert:     Über das Buch: Perfekte Unterhaltung mit der Garantie, dass es ein grandioser Kriminalroman aus einer bekannten Schriftstellerhand ist. Lesen Sie mehr über den Autor. Über das "Autorenteam": Alexander Oetker, geboren 1982, ist der Frankreich-Experte von RTL und n-tv. Er lebte viele Jahre in Paris und berichtet bis heute über die Grande Nation. Oetker schreibt Romane, Reiseführer und verschiedene Krimireihen, die regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen. Für den Kampa Verlag schreibt er unter dem Pseudonym Alex Lépic Paris-Krimis. Oetker lebt en famille zwischen Südwestfrankreich, Brandenburg und Berlin. Paula und die Zirkusbande ist sein erstes Kinderbuch.

Köllefornia's Internettipp:
https://kampaverlag.ch/

Freitag, 20. Februar 2026

S. Fischer Verlag präsentiert

Abbildung: S. Fischer

Stephan Ludwig "Zorn - Die Akte Heinlein", S. Fischer Verlag,
352 Seiten, 14,- EUR, ISBN 978-3-596-71056-0 Hauptkommissar Claudius Zorn ist auf den Hund gekommen, Dackel Dumbo weicht ihm nicht mehr von der Seite. So auch an jenem Winterabend nicht, als das Tier bei der Gassirunde im Stadtwald eine abgetrennte Männerhand aufstöbert. Sie wurde mit einem scharfen Gegenstand abgehackt, zwei Finger fehlen. Doch kein Hinweis auf die Identität des Opfers, der Mann ist spurlos verschwunden. Lebt er noch? Wird er irgendwo festgehalten, bedroht? Zorn und seinem Kollegen Schröder lässt die Sache keine Ruhe, als die erste Spur auftaucht, gehen sie ihr nach. Bis Zorn darüber mit seiner Frau Frieda, die als Oberstaatsanwältin die Zuständigkeit für den Fall übernommen hat, in heftigen Streit gerät, und bald der Haussegen beruflich wie privat schiefhängt. Stur wie Zorn ist, lässt er trotzdem nicht locker und findet sich schließlich vor Heinleins Delikatessengeschäft wieder. Und kurz darauf an einem Ort, wo nur eines auf ihn wartet: der Tod.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Der bereits 15. Band handelt von einem gefährlichen Alleingang des Ermittlers. Wie alle Vorgängerromane wird den Lesern auch dieser Band wieder richtig unter die Haut gehen. Über den Autoren: Stephan Ludwig arbeitete als Theatertechniker, Musiker und Rundfunkproduzent. Er hat drei Töchter, einen Sohn und keine Katze. Zum Schreiben kam er durch eine zufällige Verkettung ungeplanter Umstände. Er lebt und raucht in Halle.

Abbildung: S. Fischer

Arno Strobel "Ungelöst - Die erste Zeugin", S. Fischer Verlag,
384 Seiten, 18,- EUR, ISBN 978-3-596-71298-4 Medizinstudentin Luisa Menkhoff kennt die verschwundene Frau auf dem Flugblatt. Es ist Jahre her, dass sie sie gesehen hat. Aber trotzdem kann sie sich erinnern, als wäre es gestern gewesen. Nicole Klement war die Lebensgefährtin des Mannes, der Luisa als Fünfjährige entführt hat. Und damals ebenfalls in die Sache verwickelt. Luisa wendet sich umgehend an die Münchner Polizei und trifft auf Hauptkommissar Ramin Brunner, der gerade im Begriff ist, eine neue Cold-Case-Einheit aufzubauen, die alte Fälle mit modernen Mitteln aufklären soll. Als Luisa ihm die Umstände ihrer Entführung als Kind schildert, ist Ramin verblüfft. Luisa hat ein eidetisches Gedächtnis und erinnert sich an jedes Detail einer einmal erlebten Situation. Und alles, was sie sagt, deutet darauf hin, dass ihr damaliger Entführer - Dr. Joachim Lichner - jetzt Nicole Klement in seiner Gewalt hat. Luisa wird als externe Beraterin zu dem aktuellen Vermisstenfall hinzugezogen. Bis klar wird, dass sie sich getäuscht haben muss. Denn es gibt Hinweise, dass es Lichner nicht gewesen sein kann. Aber warum fühlt Luisa sich dann beobachtet? Zu spät erkennen sie und Ramin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben, das allen Beteiligten zum Verhängnis werden könnte.
Köllefornia informiert:     Über das Buch: Das ist nun der erste Teil einer neuen Romanserie des Erfolgsschriftstellers. Und, ja, es klappt perfekt, was sich Strobel ausgedacht und auf Papier gebracht hat. Seine Leser werden voll auf ihre Kosten kommen. Über den Autoren: Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Leserinnen und Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt. Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller. Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.

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https://www.fischerverlage.de/

Dienstag, 17. Februar 2026

Zuflucht

Abbildung: Unionsverlag

Garry Disher "Zuflucht", Unionsverlag, 336 Seiten, 24,- EUR, ISBN 978-3-293-00624-9    Grace ist genial. Ihr Job: Meisterdiebin. Ihre Beute: Luxusgüter. Ihre Opfer: die Reichen und Schönen von Australiens Küstenstädten. Identitäten streift sie ab wie Perücken, falsche Papiere zückt sie ebenso schnell wie erfundene Vergangenheiten. Was sie nie hatte, ist ein normales Leben. Doch ein Job in einem kleinen Antiquitätenladen in den Adelaide Hills verspricht erstmals einen Ort, den sie Zuhause nennen kann. Grace freundet sich mit der schüchternen Eigentümerin Erin Mandel an. Es läuft gut für die beiden – doch Grace weiß, dass so manch alter Feind auf der Suche nach ihr ist. Was sie nicht weiß: Auch Erin wird von rachsüchtigen Blicken verfolgt.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Und wieder ein Roman des beliebten Schriftstellers, wo er all sein Können wiederholt dem Leser zur Verfügung stellt. Ein Meister der kriminellen Erzählung verwöhnt uns auch mit seinem aktuellen Roman und seinen außergewöhnlichen Figuren mit einer exzellenten Geschichte. Über den Autoren: Garry Disher, geboren 1949, wuchs im ländlichen Südaustralien auf. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten, Kriminalromane und Kinderbücher. Sein Werk wurde für den Booker Prize nominiert und mehrfach ausgezeichnet, u. a. viermal mit dem Deutschen Krimipreis sowie dreimal mit dem wichtigsten australischen Krimipreis, dem Ned Kelly Award. Garry Disher lebt an der Südküste von Australien in der Nähe von Melbourne.

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Aktuelle Empfehlungen von dtv

Abbildung: dtv

Frida Skybäck "Schattenmädchen", dtv,
448 Seiten, 17,- EUR, ISBN 978-3-423-26457-0    An einem drückend heißen Sommerabend verschwindet die Studentin Isabelle Karlsson von der Party eines erfolgreichen Technologieunternehmens, gegründet von zwei ehemaligen Studenten der Universität Lund. Der charismatische CEO Martin Zenberg beteuert, weder er noch sein Unternehmen hätten irgendeine Verbindung zu der jungen Frau – doch ist er wirklich glaubwürdig?
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Das Wissen, dass dieser Roman auf einer wahren Begebenheit basiert, macht die Geschichte umso fesselnder. Über die Autorin: Frida Skybäck, 1980 in Göteryd geboren, hat als Autorin längst internationale Bekanntheit erreicht. Sie lebt mit ihrer Familie im südschwedischen Lund, wo ihre Krimiserie um die junge Polizistin Fredrika Storm spielt.

Abbildung: dtv

Colin Hadler "Firewatch", dtv,
400 Seiten, 17,- EUR, ISBN 978-3- 423-26463-1    Ein Jahr zuvor: Aaron übernimmt bei einem Ferienjob die Firewatch in einem kalifornischen Nationalpark. Stationiert im Firetower nebenan: Der gleichaltrige Schriftsteller Kian, der eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Aaron ausübt – obwohl er spürt, dass Kian etwas verbirgt. Für ihn verlässt Aaron heimlich seinen Posten – und kehrt nie zurück. Als die Ermittlungen eingestellt werden, fasst sein bester Freund Robin einen riskanten Plan: Er will Kian daten, um sein Vertrauen zu gewinnen und Aaron zu rächen.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Der Spagat zwischen Gefühlen und kriminellen Passagen gelingt dem Autor sehr gut. Der Lesefluss bleibt bestehen und der Nervenkitzel erobert den Leser. Über den Autoren: Colin Hadler wurde 2001 in Graz geboren und kann es nicht leiden, Autorenviten zu schreiben. Mit seinen Lesekabaretts verbindet er seine Liebe zum Theater mit der Liebe zum Buch. Seine Thriller, darunter SPIEGEL-Bestseller, wurden für den GLAUSER und weitere Preise nominiert und übersetzt. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er in Wien.

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Samstag, 14. Februar 2026

Das Riga-Komplott

Abbildung: Suhrkamp

Michael Idov "Das Riga-Komplott", Suhrkamp Verlag,
328 Seiten, 17,- EUR, ISBN 978-3-518-47527-0    Der brillante, junge Ari Falk leitet eine CIA-Abteilung in Riga. Die Weltlage ist 2021 angespannt. Die belorussische Luftwaffe hat gerade einen türkischen Linienflug von Ankara nach Riga nach Minsk umgeleitet. An Bord ein von Falk angeworbener russlandkritischer Blogger. Kurz danach wird die CIA-Station in Riga angegriffen, Falks Mitarbeiter kommen ums Leben, er kann in letzter Sekunde fliehen. In Los Angeles erfährt Maya Chou, die Tochter eines russisch-amerikanischen Multimilliardärs, vom Selbstmord ihres Vaters. In seinem Testament hinterlässt er ihr ein kleines Haus an der portugiesischen Küste. Aber seine Milliarden sind spurlos verschwunden. Auf den Spuren ihres Vaters reist Maya nach Tanger, wo sie ins Visier eines Killers gerät. Auch Ari Falk taucht dort auf. Zusammen jagen Maya und Ari quer durch Europa bis nach Moskau. Sie müssen erkennen, dass die postsowjetische Zeiten und ihre Konflikte noch lange nicht zu Ende sind. Im skrupellosen Spiel um Geld, Gier und Macht übersehen sie einen viel wichtigeren Faktor: Liebe.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Ein äußerst frischer, rasant sowie intelligent geschriebener Roman für Krimileser, die etwas gehobenere Anforderungen haben. Trickreiche Gedankenspiele machen das Buch zu einem unterhaltsamen Lesespaß. Über den Autoren: Michael Idov ist Romanautor, Regisseur und Drehbuchautor. Der in Lettland geborene Amerikaner wuchs in Riga unter sowjetischer Besatzung auf und zog nach seinem Abschluss an der University of Michigan nach New York. Seine schriftstellerische Karriere begann beim New York Magazine, wo seine Reportagen mit drei National Magazine Awards ausgezeichnet wurden. Idov hat an zahlreichen Film- und Fernsehprojekten mitgearbeitet, u. a. "Londongrad", "Deutschland 83", "Leto" und "The Humorist". Er und seine Frau und Drehbuchautoren-Partnerin Lily leben in Los Angeles, Berlin und Portugal.

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Freitag, 13. Februar 2026

Sigmar Polke "Die Reise"

Abbildung: Scheidegger & Spiess

Katharina Schmidt "Sigmar Polke. Die Reise. 1980–1981", Scheidegger & Spiess,
68,- EUR, gebunden,
432 Seiten, 324 farbige und 50 s/w-Abbildungen, 24 x 32.5 cm, ISBN 978-3-03942-302-6     Aus der vitalen rheinischen Kunstszene brach Sigmar Polke (1941–2010) 1980 mit Britta Zoellner nach Südostasien auf. Eine geplante stille Arbeitszeit auf Bali wurde zu einer 13-monatigen Reise von Indonesien über Singapur nach Papua-Neuguinea, Australien, Tasmanien, Malaysia und Thailand. Fasziniert von den alten Hochkulturen, der Gamelan-Musik, dem Schattentheater, wandten sie sich vermehrt ethnischen Gesellschaften und deren Lebensformen zu, vor allem aber auch der Natur, der tropischen Fauna und Flora.

Dank Zoellners Kalendernotizen, Filmen und Fotos sowie anderer unveröffentlichter Quellen zeichnet die Kunsthistorikerin Katharina Schmidt erstmals diese kaum bekannte Reise chronologisch genau nach. Sie untersucht, wie die intensive Erfahrung anderer Kulturen und grandioser Landschaftsräume, auch das Entdecken kosmischer Ereignisse durch Meteoriten, den Künstler bewegte. Dabei schildert sie, wie der Nuancenreichtum der Farbeindrucke und die Fülle der Beobachtungen künftig Polkes Kunst, seinen Naturbegriff und seine Vorstellungen von Raum und Zeit prägten. Empathie für das Schicksal indigener Völker unter kolonialer Herrschaft und für eine durch Ausbeutung der Bodenschätze wie Uran oder Gold gefährdete Natur lässt erkennen, wie achtsam und weitblickend diese stille, konzentrierte Künstlerreise verlief.

Köllefornia informiert:     Über das Buch: Ja, heute sind wir alle, immer mit dem Smartphone bewaffnet, in der ganzen Welt unterwegs. Ob das schlechter oder besser als es früher war, ist und bleibt dahingestellt. Polke jedenfalls, hat es vor fast 50 Jahren geschafft, seine Reiseeindrücke in seinen Bildern festzuhalten. Mittels Fotografien, Filmen und seinen Aufzeichnungen brachte uns der Künstler seine Reise näher. Gepaart mit Ansichtskarten, Briefen und vielen Informationen anhand tagebuchähnlicher Einträge. Dank Katharina Schmidt wurde dieser lobenswerte Kunstband hervorragend ausgearbeitet. Alltägliche Situationen, Beschreibungen von Land, Leuten und Kulturen erklärt. Und, immer wieder die Frage im Hinterkopf, welche Deutschen vor ihm da waren und aus welchen Gründen. Ein interessanter Ansatz, der uns Lesern neue Sichtweisen und Erkenntnisse ermöglicht sowie die Kultur fremder Völker, die er und seine Begleiterin Britta Zoellner auf dieser über ein Jahr andauernden Reise aufgesogen haben, näherbringt. Diese Frau an seiner Seite sprach später von einer sehr nachdenklichen und stillen Reise.

Als sie wieder in Deutschland angekommen waren, wurde Sigmar Polke sofort kreativ und fing an zu malen. Nun hatte er einen ganz anderen Bezug zur Farbe gewonnen. Ihm fielen die vielen Begegnungen ein und er sinnierte darüber, wie die Farbe und deren Bedeutungen von anderen Menschen auf der Welt wahrgenommen werden. Fazit: Man kann festmachen, dass der Maler Sigmar Polke fortan anders als vor seiner Reise Werke schuf und sich erkenntnisreicher präsentierte. (ht)


Über die Autorin: Dr. Katharina Schmidt (* St. Goar am Rhein) studierte Theatergeschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie an den Universitäten München und Wien, wo sie 1968 promovierte. Von 1972 bis 1980 war sie Kuratorin an der Kunsthalle Düsseldorf. Zwischen 1981 und 1985 leitete Schmidt die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und von 1985–1992 das Kunstmuseums Bonn (verantwortlich für den Museumsneubau). 1990 wurde sie mit dem ART Cologne-Preis für Ausstellungen und wissenschaftliche Begleitung der Gegenwartskunst ausgezeichnet und 1994 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Schmidt war von 1992–2001 Direktorin der Öffentlichen Kunstsammlung Basel (Kunstmuseum und Museum für Gegenwartskunst mit Emanuel Hoffmann-Stiftung) und ist bis heute Mitglied in zahlreichen internationalen Fachgremien und kulturellen Stiftungen. Katharina Schmidt lebt in Zürich.

Auch Klapptafeln beherbergt das opulente Werk.
Foto: Lydia Tress
 
Über den Künstler: Sigmar Polke wurde am 13.2.1941 in Oels (Schlesien) geboren. Während des zweiten Weltkrieges floh die Familie nach Thüringen und ließ sich 1953 in Düsseldorf nieder. Hier absolvierte Sigmar Polke eine Glasmaler-Lehre und studierte anschließend von 1961–67 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Otto Götz und Gerhard Hoehme. Schon zu Studienzeiten organisierte er zusammen mit seinen Kommilitonen Manfred Kuttner, Konrad Lueg und Gerhard Richter eine erste öffentliche Ausstellung unter dem Label Kapitalistischer Realismus. Erste Gruppen- und Einzelausstellungen in Galerien in Düsseldorf, Köln, Berlin, Hannover u.a. folgten, ebenso eine Professur an der HFBK, Hamburg (1970/71). Ein reger Austausch mit anderen Künstlern und Kulturschaffenden auf dem eigenen Gaspelshof in Willich und in der Schweiz sowie Reisen ins Ausland (Afghanistan/Pakistan, New York) und erste internationale Ausstellungen (Biennale São Paulo, 1975) prägten die 1970er Jahre. Eine erste retrospektive Ausstellung seines Werks wurde 1976 in Tübingen, Düsseldorf und Eindhoven gezeigt. 1978 zog Sigmar Polke nach Köln, wo er bis zu seinem Tod am 10.6.2010 lebte und arbeitete. Sigmar Polkes umfangreiches Werk umfasst Malerei, Arbeiten auf Papier, Fotografie, Film, Objekte und Grafik. Sein unkonventioneller und experimenteller Umgang mit unterschiedlichen Medien und Materialien sowie seine reichen Bildwelten machten ihn zu einem der einflussreichsten deutschen Nachkriegskünstler, dessen Werk junge Künstler bis heute inspiriert.

Köllefornia's Internettipp:
https://www.scheidegger-spiess.ch/