Montag, 31. Oktober 2016

Hans Arp, Salvador Dali und Andy Warhol

Abbildungen: Scheidegger & Spiess

Zwei Bücher über drei tolle Künstlerpersönlichkeiten sind im Verlag Scheidegger & Spiess erschienen.

Rudolf Suter. Mit Fotografien von Ernst Scheidegger "Hans Arp - Das Lob der Unvernunft", Scheidegger & Spiess Verlag, 336 Seiten, 69 farbige und 52 sw Abbildungen, 48,- EUR,
ISBN 978-3-85881-502-6    Der 1886 in Strassburg geborene Hans (Jean) Arp entwickelte sich zu einer zentralen Figur der Dada-Bewegung und der europäischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Als er am 7. Juni 1966 starb, hinterliess er ein umfangreiches und vielfältiges Œuvre: Plastiken, Reliefs, Collagen und Gemälde, Radierungen, Zeichnungen und Textilentwürfe sowie aussergewöhnliche, deutsch- und französischsprachige Gedichte und Aufsätze.
Mit diesem Buch stellt Rudolf Suter den vielseitigen Künstler und Dichter in allen Lebens- und Schaffensphasen vor. Vom Frühwerk über Dada und Surrealismus bis zum Spätwerk mit stark christlicher Motivik zeichnet er Arps intellektuellen und künstlerischen Wandel nach und verbindet diesen mit den Lebensstationen und der Zeitgeschichte. Zudem werden das dichterische und das künstlerische Werk erstmals gleich gewichtet und in Beziehung zueinander gesetzt.
Mit zahlreichen Werkabbildungen und Fotografien sowie einer stimmungsvollen, bislang unpublizierten Reportage des Fotografen Ernst Scheidegger (1923–2016), der Hans Arp bei der Arbeit im Atelier beobachten konnte.
Köllefornia informiert: Rudolf Suter (*1955), seit 1998 freier Kunstvermittler und Kunstkritiker. Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Philosophie und Geschichte in Basel und Wien. Promotion mit einer Dissertation über Weltbild und Kunstauffassung im Spätwerk von Hans Arp (2007).


Torsten Otte "Salvador Dalí und Andy Warhol", Scheidegger & Spiess, Text in Englisch, 416 Seiten, 28 farbige und 29 sw Abbildungen, 48,- EUR, ISBN 978-3-85881-774-7    Salvador Dalí (1904–1989) und Andy Warhol (1928–1987) zählen zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Viele Werke des Surrealisten Dalí und des Pop-Art-Künstlers Warhol wurden zu Ikonen der modernen Kunst: für jeden erkennbar und in zahlreichen Variationen vermarktet. Obgleich auf den ersten Blick völlig verschieden, hatten beide doch viele Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel den ausgeprägten Sinn für Publicity und die Vorliebe, sich mit anderen exzentrischen und extravaganten Menschen zu umgeben. Dalí und Warhol machten New York zum Zentrum ihres gesellschaftlichen Lebens, und dort begegneten sie sich laut Zeitzeugen Anfang der Sechzigerjahre auch zum ersten Mal.
Torsten Otte wertete über Jahre umfangreiches Quellenmaterial zu diesen zwei Ausnahmeerscheinungen der Kunstgeschichte aus und sprach mit mehr als 130 Zeitzeugen, u. a. mit Udo Kier, Yoko Ono, Brigid Berlin, Leslie Curtis, Irene Halsman und Nick Rhodes. In dieser ersten umfassenden Zusammensicht erforscht er biografische und werkimmanente Gemeinsamkeiten und erzählt zudem von den zahlreichen Begegnungen der beiden Künstler. Illustriert ist das Buch mit teilweise unveröffentlichtem Bildmaterial.
Mit Fotografien von Jade Albert, David Bailey, Giancarlo Botti, Cecil Beaton, Peter Beard, Robert Descharnes, Nat Finkelstein, Ron Galella, Burt Glinn, Philippe Halsman, Ken Heyman, Lynn Karlin, Roxanne Lowit, Christopher Makos, Oriol Maspons i Casades, David McCabe, Billy Name, Eric Schaal, Harry Shunk & János Kender, Enrique Sabater, Andy Warhol, Paul Weiss und Robert Whitaker.

Montag, 10. Oktober 2016

Kippenberger

Martin Kippenberger
Ohne Titel, 1988
Öl auf Leinwand
240 x 200 cm

In nur zwei Jahrzehnten produzierte Martin Kippenberger (1953–1997) genug Ideen für mehrere Lebenswerke. Frei nach seiner Maxime „Gute Künstler haben niemals Urlaub“ schuf er Gemälde, Skulpturen, Installationen, Fotografien, Zeichnungen, Kataloge, Einladungskarten und Plakate – ein Medium befruchtete das andere, eine Arbeit provozierte die nächste. Die Spanne war gewaltig: von Gemälden, die er durch einen Plakatmaler ausführen ließ, über Inneneinrichtung zum Zweck der Kafka-Interpretation bis zum U-Bahn-Netz, das die ganze Welt verbinden sollte. Oft stand dabei der Künstler selbst im Mittelpunkt, auf seinen vielen Selbstporträts in Picassos Unterhosen oder als Schiffbrüchiger auf dem Floß der Medusa, und durch seine exzessive Persönlichkeit, die sein Werk zu Lebzeiten manchmal in den Hintergrund drängte. Erst nach seinem Tod wurde die Wichtigkeit seines künstlerischen Beitrags für eine Zeit erkannt, in der alles schon gesagt schien. Große Retrospektiven der letzten Jahren in New York, Los Angeles und Berlin bezeugen seinen bleibenden Einfluss.
Mit dieser Publikation wird TASCHENs klassische Kippenberger-Monografie wiederaufgelegt, die erstmals 1991 in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstand, und dann im Todesjahr 1997 mit einen Essay von Roberto Ohrt als definitives Stück Zeitgeschichte vervollständigt wurde. Das Buch dokumentiert Kippenbergers Werk in 400 Illustrationen, von den frühen Jahren in seinem Berliner Büro bis zu seinen posthum realisierten Arbeiten für die documenta X in Kassel und die Skulptur Projekte in Münster. Der Anhang wurde um die wichtigsten Ausstellungen und seither erschienen Publikationen aktualisiert.
Köllefornia informiert: Die beiden Herausgeber dieses Werkes sind der Kunsthistoriker Burkhard Riemschneider und Angelika Taschen. Burkhard Riemschneider ist Galerist in Berlin und verfasste verschiedene Monografien über Künstler der Gegenwart. Angelika Taschen studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Heidelberg, wo sie 1986 promovierte. Von 1987 bis 2010 war sie für TASCHEN tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche Titel zu den Themen Kunst, Architektur, Fotografie, Design, Reise und Lifestyle veröffentlicht.

Donnerstag, 29. September 2016

Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler

Fotos: Lydia Tress (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wer einmal eine etwas andere Dokumentationsstätte besuchen möchte, sollte sich den Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler vornehmen. Die 2009 mit dem Kulturpreis Europa Nostra ausgezeichnete Location wird vom gemeinnützigen Heimatverein "Alt-Ahrweiler e. V." unterhalten.

Ein kleines Teilstück des ursprünglichen über 18 km langen Tunnels wurde zum Museum ausgebaut. Das einstige geheime Bauwerk war in der Zeit des Kalten Krieges eine eigene unterirdische Welt. Neben Zahnarzt, Friseur, Fernsehstudio, Schlafplätzen wurden dort Verfassungsorgane der Bundesrepublik aktiv. Ein Kapitel zur atomaren Bedrohung zu jener Zeit.

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.regbu.de/

Donnerstag, 22. September 2016

Eleven Promises - Jazz vom Feinsten

Abbildung: JazzSick

Elisabeth Lohninger & Band "Eleven Promises", Label JazzSick Records    Salzkammergut, Österreich. Malerisch gelegen am traumhaften Attersee. Bei einem Blick über das Wasser erblickt man am anderen Ende die thronenden und mächtigen Bergspitzen der Alpen über das Ufer ragen. Ein einmaliges Panorama und für Elisabeth Lohninger der schönste Ort auf der ganzen Welt. Als Pendant hierzu steht eine der pulsierendsten und faszinierendsten Städte auf unserem Globus – New York City. Das eine ist die Heimat, das andere seit über 20 Jahren die Wahlheimat. Es ist ein großer und mehr als nur gewagter Schritt von einem Dorf mit 25 Einwohnern in eine 8,2 Millionen-Stadt zu ziehen. Eine alte Welt sollte der neuen weichen. Aber Elisabeth Lohninger wäre nicht Elisabeth Lohninger, wenn sie zum einen nicht ihrem Herzen folgen würde, und zum anderen der Liebe zur Musik wegen, diesen Schritt gewagt hätte.

Manhattan war vor 20 Jahren noch multikultureller, bunter und geradezu durchwachsener Nabel der gesamten Metropole, mittlerweile hat sich dies stark verändert. Beherrscht von großen Konzernen und Firmen aus der ganzen Welt mussten die kleinen, charmanten und romantischen Ecken in denen der Jazz noch lebendig gedeihen konnte leider zum Teil weichen. Wer sich aber mit offenen Augen und Ohren auf die Suche begibt, findet diese besonderen und magischen Orte der Stadt noch. So weiß auch Elisabeth Lohninger ihr New York zu schätzen.

Der Gedanke an den American Dream liegt bei so einer Vita sicherlich nah, war für die Sängerin aber niemals der Fokus ihres Aufbruchs. Wenn man nach New York bzw. Manhattan kommt um Jazz zu machen geht es nicht so sehr darum, mit Musik möglichst viel Geld zu verdienen, ein schönes Haus oder ein schnelles Auto zu kaufen. Musik ist für mich Inspiration, ich fühle mich darin zu Hause und sie gibt mir den Freiraum den ich auch brauche um möglichst authentisch zu sein und im besten Fall auch andere Menschen dadurch inspirieren zu können, erzählt die Künstlerin.

Diese Reise musste die studierte Sängerin auch nicht alleine unternehmen, gemeinsam mit ihrem Ehemann und jahrelangen, musikalischen Wegbegleiter, Walter Fischbacher, wurde die erste gemeinsame Wohnung auf der W 104th Street und Broadway bezogen, anschließend ging es in die Lower East Side. Von diesem Zeitpunkt wurde der Schwerpunkt des musikalischen und kreativen Schaffens auf eine neue Stadt gelegt.

Im Gegensatz zu dem europäischen Jazz ist der amerikanische sehr traditionell geprägt, dies beeinflusste sicherlich auch die Liedstrukturen, Akkordabfolgen und Ästhetiken von Elisabeths Musik. Der Puls der Stadt, der Lärm, die vielen Dinge, die sich ständig und zur gleichen Zeit abspielen, aber auch der Rhythmus der Sprache. Alles ausschlaggebende Indikatoren für die musikalische Entwicklung der Vokalistin. Ein weiterer Aspekt dieses Prozesses ist die enge und sehr intensive Zusammenarbeit mit Walter Fischbacher. Über die Jahre hinweg wurden 20 Produktionen veröffentlicht, zum Teil gemeinsam, zum Teil in Co-Produktion aber immer mit einem übergeordneten Ziel, dem Jazz. Das aktuellste dieser vielen Resultate ist das am 23. September erscheinende, neue Album von Elisabeth Lohninger & Band – Eleven Promises.

Es ist ein Symbol der gemeinsamen Geschichte des Ehepaars. Ein Sinnbild für die Ehe, das Versprechen in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderzustehen und immer wieder als Gemeinschaft zurückzukehren, egal was passiert. Deshalb ist es auch die erste Veröffentlichung gemeinsam mit Walter Fischbachers Trio Phisbacher. Fischbacher selbst hat das Album arrangiert und produziert und die meisten Stücke wurden auf einer gemeinsamen Auszeit in Mexiko geschrieben. Als musikalische Begleiter der neuen Veröffentlichung finden sich, neben Walter Fischbacher selbst am Piano, noch Goran Vujic am Bass und Ulf Stricker am Schlagzeug. Als besonderes Highlight Ben Butler, der Gitarrist von Sting und Susan Vega, bei dem Stück Birthday Girl und der Harmoniker Gary Schreiner als Solist bei Mellow Moon Moaning. Komplettiert wird durch den zweiten Gitarristen Pete McCann. Die Bandleaderin selbst weiß dies auch sehr zu schätzen: Ich bin immer wieder inspiriert von meinen Kolleginnen und Kollegen, ob das nun Musiker, Designer oder Schriftsteller sind. Sie beflügeln mich alleine dadurch, dass sie immer danach streben, nicht stehen zu bleiben sondern sich weiterzuentwickeln. Genauso war es auch bei den Arbeiten zu Eleven Promises, ein wunderbarer Prozess.

Jeder der zwölf Tracks auf dem neuen Album erzählt eine Geschichte oder es verbirgt sich eine interessante Anekdote dahinter. When We Were Young ist Elisabeths Geschwistern gewidmet und erzählt von der Erinnerung an einen warmen Sommerregen und vielen Momenten aus der Kindheit. Ein akustischer Chill-Out-Track mit einigen Sciencefiction-Sprinklern“ so beschreibt Walter Fischbacher die sechste Nummer auf dem Album, And If. Auch ein Cover mit Girl From Ipanema findet Platz. Mit dem gleichnamigen Titelsong Eleven Promises, dessen Refrain zufällig auch in 11/16 gespielt wird, greift Elisabeth nochmals das Thema des gesamten Albums auf, die Liebe, die Ehe und der gemeinsame Weg den sie und Walter bisher zurückgelegt haben. Mit Hold On empfiehlt sich ebenfalls noch ein äußerst grooviger Song in bester Manier der frühen 90er Jahre. Circles als das komplexeste Stück auf Eleven Promises spielt beispielsweise auf Maiden Voyage von Herbie Hancock an. Neben vielen weiteren sehr gut aufeinander abgestimmten Titeln, ist zu guter Letzt mit dem Stück Ya Mi Corazon noch ein spanisches Stück auf dem Album.

Südafrika und der Jazz

Abbildung: JAZZNARTS

Neue CD "Seba Kaapstad – Tagore’sue", Label JAZZNARTS RECORDS    Wir befinden uns heute 33° Süd 56’ 20.94’’ – 18° Ost 28’ 10.271’’. Genau genommen sitzen wir am Straßenrand des ‚Tagore’s Club’ in der 42, Trill Road im sonnigen und sehr milden Kapstadt. Mit uns am Tisch sitzt eine Gruppe junger Musiker aus Deutschland und Afrika: Sebastian Schuster, Zoe Modiga und Ndumiso Manana. In diesem Moment wird ein Bandprojekt geboren, welches Kulturen verbindet, für Musiker neue musikalische Horizonte ermöglicht und ein so starkes, authentisches und sehr vielseitiges Jazz-Album hervorbringt, wie man es wohl aus einer Kombination von schwäbischer Gründlichkeit, koreanischer Zurückhaltung, rheinischem Humor und Süd-Afrikanischer Gelassenheit nicht erwartet hätte: Seba Kaapstad – Tagore’s.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Südafrika auf Grund der Apartheid und vieler Unruhen stark zerrüttet. Bis zum Ende der 80er Jahre war es fast unmöglich Kreativität, Kunst und Kultur zu erleben. Mit ausschlaggebend für die Rehabilitation des Landes und der dort lebenden Menschen war die Musik. Als universelle Sprache hat sie Menschen, egal welcher Herkunft, zusammengeführt. Es entstand die Möglichkeit auf neutraler Ebene miteinander zu kommunizieren, einen gemeinsamen kreativen Prozess zu gestalten, Vorurteile zu überwinden und einen großen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Gerade deshalb ist das Projekt von Sebastian alias ‚Seba Kaapstad’ umso wichtiger und intensiver.

Vor seiner ersten Reise nach Kapstadt hätte Seba sich sicher niemals ausmalen können, welche Freunde er dort findet, wie dieses Land sein ganzes Leben verändert und welche Magie und vor allem Energie ihn dort erwartet. Der Grund seiner Reise war nämlich ein anderer. Eines der großen musikalischen Vorbilder des Musikers ist der niederländische Bassist ‚Heyn van der Geyn’, welcher unter anderem schon mit Chet Baker auf Tournee war. Dieser lebt in der ‚Mother City’ und Seba wollte ihn kennen lernen. Nach ersten gemeinsamen Jam Sessions und viel Zeit mit dem Instrument verliebte sich der junge Künstler allmählich in die Stadt, die Menschen und das Lebensgefühl. „Kapstadt ist so charmant imperfekt. Ich erinnere mich an einen Gig mit circa 30 Musikern. Ohne Noten und wirklichen Plan wurde begonnen zu spielen. Es brach absolutes Chaos aus, aber ich habe selten so ehrliche Musik erlebt. Beim Spielen herrscht nie wirklich Ruhe, der Zuhörer zeigt sofort Emotionen wenn etwas gefällt, oder eben nicht. Das würde es in Deutschland nie geben “, erklärt Seba.

Geprägt ist der musikalische Stil von ‚Tagore’s’ durch die vielfältigen Kulturen und Stilistiken der Bandmitglieder. Der afrikanische Einfluss auf dem Album ist stark ausgeprägt. Es ist ein urbaner Mix aus Rhythm ’n’ Blues, Hip-Hop, Soul und Jazz. Allerdings wird viel Raum gelassen zur musikalischen Entfaltung eines jeden Künstlers. Vor allem ‚Hello’‚ ‚I Fall In Love Too Easily’, ‚Flatline’ und ‚Autumn’, mit ihren eindringlichen Melodien, tollen Solis und hervorragend abgestimmten Vocal-Passagen sind absolute Ohrwurm-Garanten. Alle Kompositionen stammen aus der Feder des Bandleaders und den Sängern. Aufgenommen wurde im Münchner Mastermix Studio von Thomas Schmidt und gemastert von Christoph Stickel.

Seba vereint mit seinem Debütalbum die südafrikanische Ausnahmesängerin Zoe Modiga, welche mit gerade einmal 21 Jahren schon etliche Wettbewerbe gewonnen hat und als eine der vielversprechendsten und talentiertesten Künstlerinnen des ganzen Landes gilt. Ebenfalls mit dabei ist Ndumiso Manana aus Swasiland, der junge und sehr emotionale Sänger ist auch gerade im Begriff seine Karriere in Südafrika und über den Landesgrenzen hinaus aufzubauen. Am Piano ist ebenfalls keine Unbekannte: Gee Hye Lee, gebürtig aus Südkorea mittlerweile aber sesshaft in Stuttgart. Der aus Bayern stammende und in Köln lebende Thomas Wörle an den Drums und Electronics ergänzt die Band. Außerdem ist auch die Schwester des Bandleaders, Franziska Schuster, als Sängerin auf dem Album vertreten. Und natürlich der Bassist sowie Komponist des Albums, Sebastian Schuster.

Bei ‚Seba Kaapstad – Tagore’s’ wirken Musiker gemeinsam, die auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich scheinen, aber die genau gleichen Vorstellungen von Musik und deren Einfluss haben. Dadurch ist ein so besonderes, facettenreiches und wirklich spannendes Album entstanden. Es spiegelt die Energie Südafrikas und zeigt, dass Grenzen, jeglicher Art, mit Hilfe von Musik immer überwunden werden können. Ein absoluter Musiktipp, auch für Nicht-Jazzer.

Band:
Zoe Modiga – Voice
Franziska Schuster – Voice
Ndumiso Manana – Voice
Gee Hye Lee – Piano
Thomas Wörle – Drums / Electronics
Sebastian Schuster - Bass / Rhodes

Montag, 18. Juli 2016

Rough Songs - rauer und herzlicher Jazz


Foto: Horst Tress

Was war das? Ich hielt die aktuelle CD „Rough Songs“, vom Robert Giegling Quintett in den Händen, goss mir ein Glas Wein ein und stellte den CD-Player auf Betrieb. Was meine Ohren von Beginn an vernahmen, waren Jazzklänge vom Feinsten. Eine Fusion aus Modern Jazz, Soul sowie einzigartigen Groove. Ich war von dem Sound begeistert und schloss die Augen um jeden Ton vollends zu genießen.

Dieser Silberling ist eine Empfehlung für alle Jazz Liebhaber. Der fabelhafte Trompeter Robert Giegling führt den Hörer wie ein roter Faden durch alle acht Musikstücke. Seine hervorragenden musikalischen Mitstreiter ergänzen sich bestens. Zu ihnen zählen: Markus Ehrlich (Tenor Sax), Christoph Heckeler (Piano, Fender Rhodes), Joel Locher (Double Bass), Daniel Mudrack (Drums), Daniel Denmark (Vocals), Matthew Bookert (Tuba, Sousaphone) sowie Patrick Flassig (Bass Trombone).

Köllefornia informiert:
Wer mehr über die Aktivitäten von Robert Giegling erfahren möchte, wird im Internet fündig. Unter: www.robertgiegling.de

Montag, 4. Juli 2016

Beuys - Brock - Vostell

Abbildung: Hatje Cantz
 
"Beuys Brock Vostell - Aktion. Partizipation. Performance", Hatje Cantz Verlag, Hrsg. Peter Weibel, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Einleitung von Peter Weibel, 411 Seiten, 700 Abbildungen, 58,- EUR, ISBN 978-3-7757-3864-4    Erstmals werden die bedeutenden deutschen Aktionskünstler der Nachkriegsmoderne Joseph Beuys (1921–1986), Bazon Brock (*1936) und Wolf Vostell (1932–1998), die in den 1960er-Jahren zusammen auftraten, in einer Publikation präsentiert. Neben inhaltlichen Parallelen ihrer Arbeiten, etwa der Auseinandersetzung mit dem Holocaust, zeigen sich Berührungspunkte im Vorgehen der befreundeten Künstler. Alle drei waren an der Erfindung der Lehre als Aufführungskunst beteiligt und rückten das Vermitteln, die Diskussion und die Demonstration ins Zentrum ihrer Arbeit. Die radikale Emanzipation des Individuums sowie die Reform der Gesellschaft bildeten ihr gemeinsames Ziel. Das Schaffen der Künstler wurde nicht nur wegweisend für die Entwicklung des erweiterten Werkbegriffs, sondern leistet einen fundamentalen Beitrag zur performativen Wende und für die partizipatorischen Konzepte in der Kunst des 21. Jahrhunderts.
Köllefornia informiert: Genau das richtige Buch für alle, die sich für die Nachfolgebewegung von DADA interessieren. Fluxus war das Zauberwort Ende der 1960er Jahre. Eine außergewöhnliche Marginalie in der zeitgenössischen Kunst, die sich bis heute behauptet. Da die damaligen Protagonisten ihre Formel Kunst gleich Leben und Leben gleich Kunst, hochhielten, gibt es auch heute noch zahlreiche Anhänger von Fluxus auf der ganzen Welt. Besonders in sogenannten Mail-Art-Shows sowie Installationen und Performance, inszenieren sie sich in Galerien, Museen und an außergewöhnlichen Orten. Was Joseph Beuys, Bazon Brock, Wolf Vostell und Konsorten ans Laufen gebracht haben, kam in zeitgenössischen Kunstszenen nie mehr zum Stillstand. Fluxus hat sich längst etabliert und findet sich heute bei Auktionen und in Museumsarchiven rund um den Globus wieder. Dieses herrliche Werk gibt einen Einblick der damaligen Fluxusbewegung. Ihre Kommunikation untereinander, ihre finanziellen Nöte sowie ihre Erfolge. Ein historisches Buch, das in keiner Kunstbibliothek fehlen sollte.

Dienstag, 21. Juni 2016

unterwegs... mit Thomas Bracht, Nils Wogram, Sven Decker u. a.

Abbildung: Cover, Portabile Music Trier

CD-Tipp: Thomas Bracht feat. Nils Wogram & Sven Decker "unterwegs...", Label: Portabile Music Trier     Es beginnt alles mit einem ersten Schritt, dem Mut nach vorne zu gehen, sich umzuschauen und zu wissen von nun an einen neuen Pfad zu beschreiten. Sich zu lösen, aus der alltäglichen Komfortzone auszubrechen und schlicht den Aufbruch wagen. Diesen Aufbruch hat auch Thomas Bracht gewagt, nicht nur aus musikalischer Sicht, aber seit diesem Moment ist der Pianist und Komponist unterwegs.

Thomas Bracht war jahrelang als Sideman in etlichen musikalischen Formationen unterwegs, es brauchte aber erst ein großes und einschneidendes Erlebnis bis er den Mut fasste selbst aktiv zu werden. Seine Tochter Maria wurde geboren und so begann neben dem privaten auch der musikalische Aufbruch. Neues wurde entdeckt, Verantwortung übernommen, neue Menschen kennengelernt, der Schatten des Sideman verlassen, Landschaften erkundet, auch mal ein Irrweg beschritten oder in einer Sackgasse wieder gewendet, aber jedes Mal auf ein neues die Herausforderung erkannt und sich dieser angenommen. Auf dieser Reise war Thomas Bracht auch nicht alleine. Unterstützt wurde er durch seine Familie, auf seinem musikalischen Weg durch seine langjährigen Bandkollegen und Freunde aber auch durch neue musikalische Mitstreiter. Einer dieser Mitstreiter ist der international gefeierte Ausnahme-Posaunist Nils Wogram. Ebenfalls mit von der Partie ist der Saxophonist Sven Decker, sowie Stephan Matheus an der Trompete, Tobias Fritzen am Bass, der New Yorker Perkussionist Jerome Goldschmidt, Konrad Matheus am Schlagzeug, Leana Sealy als Vocal und Thomas Bracht selbst am Piano, Clavinet, Synthesizer und den Samples.

„Mit dieser sehr reizvollen Besetzung, bestehend aus Bandleadern, Komponisten und kreativen Köpfen - sie in meine Klangwelt zu ziehen, zu erleben wie sie meinen Kompositionen Leben „einhauchen“, ihre ganz persönliche Note mit einbringen und Teil meiner „Welt“ werden, war eine großartige Erfahrung!“, schwärmt Thomas Bracht von der Zusammenarbeit für unterwegs.

Vor allem die großen Featuregäste, Nils Wogram und Sven Decker haben in den vergangenen Jahren doch für sehr viel Aufhören gesorgt. Auf der vorliegenden Produktion finden sich beide allerdings, für deren Verhältnisse, in einem eher entspannten, jazzigen Gewand. Nils Wogram als ECHO Preisträger und einer der international gefragtesten Musiker Deutschlands verleiht der Produktion ihre unverwechselbare Sounddefintion. Sven Decker, aus der modernen Essener Schule kommend, am Saxophon gilt auch als einer der innovativen jungen Wilden auf dem nationalen und internationalen Jazzparkett. Aber auch die restlichen Kollegen stehen dem in nichts nach. So bilden Tobias Fritzen am Bass, Jerome Goldschmidt an den Percussions und Konrad Matheus am Schlagzeug immer einen soliden, groovigen Rhythmus-Teppich unterstützt durch Stephan Matheus an der Trompeten. Auch die besondere Besetzung durch Percussions und Schlagzeug heben die Klangwelt der Veröffentlichung nur hervor. Ebenfalls zeichnet sich das Album durch die Variabilität innerhalb der Besetzung und der unterschiedlichen Stücke aus.

Einordnen lässt sich der Sound, in einer Mischung aus Jazz, Rock, Pop und Fusionmusik der 70er Jahre a la „Weather Report, Jan Hammer oder Billy Cobham“ mit progressiven, modernen, originellen Elementen und ein wenig Weltmusik. Das Comeback der „Keyboardburg“, eine gewisse Lautstärke und Spielfreude, wabernde Synthesizer über coolen, funkig- bis rockigen Beats und eine Hornsection vom Feinsten.

Die Inspiration für Brachts Kompositionen kommen oftmals von seiner Familie. „Der Song 'Maria' ist entstanden nach einem Motiv meiner 3-jährigen Tochter. Sie hat die Melodie auf dem Klavier fantasiert, den ersten Takt habe ich ihr praktisch „gestohlen“ und daraus entstand der gesamte Titel“, schwelgt Thomas Bracht stolz in Erinnerung. Auch bei den weiteren Titeln geht es oftmals um die Familie und die vielen, tollen Erfahrungen und Erlebnisse die gemeinsam geteilt wurden. Der Track 'Elegant Lady' beschreibt ebenfalls seine Tochter Maria und der Titel 'Karussell' spricht in diesem Fall wohl auch für sich. Mit 'The Hour of the Wolf' fasst Thomas Bracht nochmals den ganzen Prozess des Aufbruchs zusammen, der neue Abschnitt in seinem Leben, welcher durch seine eigene Familie eingeläutet wurde bedeutet für ihn das größte Gut. Dieser Titel wird mit der warmen und sehr klaren Vocal von Leana Sealy als einziger Vocaltrack auch noch komplettiert.

Samstag, 16. April 2016

Kölner Verlag bringt seine Kunstreihe "Salon" erneut auf dem Markt

Foto: Lydia Tress

Gerhard Theewen (rechts, mit Horst Tress) hat sich nach Jahren der Abstinenz dazu entschlossen, sein Magazin SALON erneut auf dem Kunstbuchmarkt zu verbreiten. Die bereits von 1977 bis 1983 veröffentlichte Publikation wird wie vor 33 Jahren, in schlichtem Schwarz-Weiß erscheinen. Das damalige Logo, das von einem Schildermaler gestaltet wurde, ziert wie damals, auch die künftigen Ausgaben. Sammlern sei hiermit geraten diese Hefte kostengünstig zu abonnieren. Die ersten 100 Besteller erhalten als Prämie, die Grafik "BLINDE NUSS", DIN A 2, von Marcus Neufangr (rückseitig signiert und nummeriert).

Kontakt: Gerhard Theewen, Am Wassermann 36, 50829 Köln, Telefon +49 (0)221 499 58 22, mail@salon-verlag.de Internet: http://www.salon-verlag.de/