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| Abbildung: Taschen |
"Ai Weiwei. Updated Edition", Taschen Verlag, Hardcover, 25 x 33.4 cm, 4.29 kg, 736 Seiten, 100,- EUR, ISBN 978-3-7544-0427-0 Ai Weiwei ist für mehr als seine Kunst berühmt. Seine Aktionen für freie Meinungsäußerung und gegen autoritäre Willkür wirken weit über die Kunstwelt hinaus. Seine Arbeit ist von sozialem und politischem Engagement geprägt: Wenn er 1001 chinesische Bürger aller Klassen und Provinzen zur Documenta 12 bringt, wenn er 100 Millionen handgefertigte Sonnenblumenkerne aus Porzellan in der Turbinenhalle der Tate Modern ausstreut, wenn er mit einem Fries aus Schulranzen an die Kinder erinnert, die Opfer des Erdbebens in Sichuan wurden, oder weltweit Flüchtlingslager für seinen Film Human Flow besucht, um dem individuellen Schicksal im kollektiven Strom näher zu kommen. Wegen seiner unermüdlichen Kritik wurde Ai 2011 von der chinesischen Polizei 81 Tage lang festgehalten und sein Pass beschlagnahmt, den er trotz internationaler Proteste erst 2015 zurückbekam. Seit Ai sich wieder außerhalb Chinas bewegen kann, erst nach Berlin, dann nach Portugal, ist er zum wahrhaft globalen Künstler geworden, dessen Werk stets von seinem Aktivismus geprägt ist und umgekehrt.
Die umfassende Aktualisierung der Ai-Weiwei-Monografie vom Taschen Verlag legt den Fokus auf die jüngste Dekade von Kunst und Aktivismus eines der engagiertesten Künstler unserer Zeit. Nun-mehr 40 Jahre Kunstschaffen reichen vom New Yorker Exil in den 80er-Jahren über Skulpturen aus der Zeit seiner Rückkehr nach China, die auf traditionellen Handwerkstechniken beruhen, bis zu den jüngsten, in Europa konzipierten Werken: Mosaiken aus Spielzeugsteinen, Filme und Installationen für die Menschenrechte. Das vorliegende Buch ist dabei selbst ein historisches Dokument: Zunächst als die erste ausführliche Monografie zum Künstler konzipiert, als er noch in China festgehalten wurde, ist nun dasselbe Team wieder zusammengekommen, um die Geschichte fortzuschreiben. Zahlreiche Abbildungen aus dem Archiv des Künstlers zeigen den Atelieralltag, die Produktion der Werke, die politischen Aktionen. Sie werden von Ais exklusiv für diese Ausgabe gemachten Statements begleitet und von drei Essays über Werk und Leben: Der freie Kurator Roger M. Buergel und Kunsthistoriker Alfred Weidinger, die beide mit dem Künstler an großen Ausstellungen gearbeitet haben, beschreiben die Entwicklung des Werks und seiner Themen, während ein langjähriger Freund, der Sammler und Unternehmer Uli Sigg, ein persönliches Porträt des Künstlers aus zwei zeitlichen Perspektiven beiträgt.
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| Foto: Lydia Tress |
Köllefornia informiert: Über das Buch: Ja, das ist ja einmal wieder ein eindrucksvolles Kunstbuch, mit dem uns der Taschen Verlag nicht zum ersten Mal überrascht. Viele überzeugende Titel hat das weltweit beachtete Verlagshaus bereits unter das kunstliebende Volk gebracht. Nun legt Taschen ein enorm schweres, großformatiges Werk vor, ediert von Hans Werner Holzwarth. Mit Texten von Roger M. Buergel, Uli Sigg sowie Alfred Weidinger. Letzterer bekannt durch seine Direktorenschaft im Leipziger Museum für bildende Kunst und seine hervorragende Arbeit als Kurator.
Man erinnert sich noch an die Schlagzeilen 2011, als Ai Weiwei nach seiner chinesischen Isolation in Berlin eintraf. Gefeiert und kritisiert wurde er hier ebenfalls, allerdings befand er sich nun in einem freien demokratischen Land. Ein vielseitiger Künstler, der seit weit über 40 Jahren Kunst schafft – und was für welche. Hier produzierte der Taschen Verlag ein prallvolles Werk, das alle Facetten dieses Ausnahmekünstlers ernsthaft beleuchtet. Seine politischen Aktivitäten werden ebenso dem Interessierten nahegebracht wie seine unbekannten Seiten. Ein Œuvre mit Bildern, Filmen, Skulpturen, Installationen, Aktionen etc. gibt dem Betrachter Einblicke in ein dichtes, tabuloses sowie eindrucksvolles Künstlerleben. Kunst und Politik können seit Beginn seines Schaffens nicht voneinander getrennt werden. Ein ewig Suchender nach der Wahrheit und sich selbst wird hier hervorragend in Szene gesetzt. (ht)
Über den Künstler: Ai Weiwei, geboren 1957 in Peking, ist bekannt für seine klaren künstlerischen Aussagen zu drängenden geopolitischen Fragen unserer Zeit. Von Skulpturen und Installationen über Architektur bis hin zu Dokumentationen und Social Media nutzt er eine Vielzahl von Medien, um die Gesellschaft und ihre Werte auf immer neue künstlerische Weise zu hinterfragen. Er ist Träger des von Amnesty International vergebenen Ambassador of Conscience Awards 2015 und des Václav-Havel-Preises für kreativen Dissens der Human Rights Foundation 2012. Ais abendfüllender Dokumentarfilm Human Flow feierte Premiere im Wettbewerb der 74. Filmfestspiele in Venedig. Derzeit lebt und arbeitet er in Cambridge, Berlin und Montemor-o-Novo, Portugal.
Köllefornia's Internet-Tipp:
https://www.taschen.com/de/

