Mittwoch, 12. April 2017

Textile Materia­lien in der zeitge­nös­si­schen Kunst

Titel: "Anna Blume", Mixed Media, 2016, 4-teilig, ca. 120 x 100 cm

Eigentlich habe ich mich nie für textile Kunst interessiert, wenn ich mir das so recht überlege. Klar sind mir Arbeiten berühmter Künstler begegnet, die sich bei der einen oder anderen Arbeit mit Stoff beschäftigten. Darunter war ein riesiger gestrickter Pullover von Erwin Wurm, der eine große Wand in einem Bonner Museum bedeckte. Ein realistisches gestricktes Buffet, das so echt aussah, das ich fast zugebissen hätte, begegnete mir in der Villa Zanders, Bergisch Gladbach. Aber das sich ein Künstler ausschließlich mit diesem Material beschäftigt, wurde mir erst richtig bewusst, als ich die Werke von Martina Unterharnscheidt entdeckte.

In der beschaulichen Eifel, im kleinen Örtchen Effelsberg, lebt und arbeitet die begnadete bildende Künstlerin, die sich hauptsächlich dem Textil als Gestaltungsmittel widmet. Sie macht in einem eigenen Ausstellungsraum permanente Ausstellungen und fertigt in ihrem Atelier ihre weichen soften genähten Objekte.


"Ich muss noch Kuchen backen", Mixed Media - Stoff, Acryl, Wachs, 2017

Dass Martina Unterharnscheidt sich diesem Material und nicht dem traditionellen Tafelbild verschrieben hat, ist wohl der Tatsache gezollt, dass die Vollblutkünstlerin voll in ihrem Element ist, wenn es um die unterschiedlichsten Stoffe geht. Sie verändert sie, zerreißt, schneidet, näht oder verknotet sie zu völligen neuen Sinnerlebnissen. Es liegt ihr im Blut, wenn sie sich wie eine abstrakte Malerin mit Farbe, selbst mit Knöpfen, Bändern und das Färben beschäftigt. Unterharnscheidt liefert neue Ideen aus alten sowie neuen Materialien. Aus getragenen Kleidern und bunten Stoffen entstehen Kunstwerke, die dem Betrachter viel Neues offenbaren.

Die offene Art und Kontaktfreudigkeit zu ihren Mitmenschen, ihre Neugierde andere Länder zu erforschen, ihr handwerkliches Können machen sie zu einer interessanten Künstlerin. Wenn andere Artisten nur sporadisch zu Stoffliches greifen, legt sie mittlerweile ein riesiges Konvolut der verschiedensten Schaffensphasen vor. Eine stoffvernarrte kreative Frau eben, die dem Kunstbetrachter andere als die üblichen Sehweisen abverlangt. Lassen Sie sich unbedingt darauf ein, es lohnt sich allemal. Es sind Stoffe, aus denen Martinas Träume wahr werden. 

                                    (Text: H.T., Fotos: Dr. Martin Woerner)

Mehr Informationen finden Sie auf ihrer Homepage: www.martina.unterharnscheidt.com

Thomas Siffling und seine neue CD "Flow"

Abbildung: JAZZNARTS RECORDS

JAZZNARTS RECORDS präsentiert "Flow" von Thomas Siffling.    Nach Siegbert A. Warwitz ist das „Urbild des Menschen im Flow [...] das spielende Kind, das sich im glückseligen Zustand des Bei-sich-Seins befindet“. Weiter gefasst entspricht dies einem Zustand der völligen aber auch mühelosen Konzentration. Vor allem Musiker kennen dieses Flow-Gefühl, ein tiefes Eintauchen, gar Hineinfallen in die eigene Kunst, den Rhythmus und die Klangwelt. Es entstehen Energie, Ekstase und eine neue musikalische Ebene der Wahrnehmung und Verarbeitung. Dies geschieht weder auf eine anstrengende noch bedrückende Art und Weise, es geschieht spiele-risch, in einem Fluss, als ob es natürlicher nicht sein könnte. Der Künstler spielt und nähert sich somit im absoluten bzw. sogar kindlichen Ursprung an das Menschsein. Schon Friedrich Schiller sagte einst: „[...] der Mensch spielt nur, wo er in voller Be-deutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ So ent-stehen sowohl für den Künstler als auch für den Zuhörer teilweise außergewöhnliche und magische Momente der Musik.

Auch Thomas Siffling ist sich über den Zustand des Flows vollkommen bewusst. Der Trompeter aus Mannheim weiß sich beim Musizieren mit Leichtigkeit in diesen trance-ähnlichen Zustand zu versetzen. Er schließt die Augen, alles um ihn herum versinkt in Stille und seine ganz eigene und völlig offene Reise in die Welt der Musik beginnt. Der Geist, das Instrument, die Melodie und der Ausdruck zerfließen ineinander während der Flow einsetzt.

Eine Thematik die den Künstler bei dem kreativen Entstehungsprozess zu seinem neuesten Album stets beschäftigt hat. Ziel war es Musik zu schreiben und zu produzie-ren welche horizontal-sphärisch, entschleunigend im Aufbau, mit Grooves unterlegt und Melodien verziert zum Eintauchen einlädt und somit ein ungeheures Maß an Ener-gie freisetzen kann. So beschreibt es Thomas Siffling: „Eine der größeren Herausfor-derung war es, eine gesunde Mischung aus Jazz-Kredibiltät aber auch Mainstream/Elektronik-Aspekten zu schaffen.“

Als finales Resultat dieser Arbeit erscheint am 21. April 2017 das neue Album von Thomas Siffling – Flow bei dem Mannheimer Label JAZZNARTS RECORDS als ers-te Auskopplung der neuen eSeries. Mit der neuen Serie beweist das Label abermals dessen moderne Ausrichtung und orientiert sich somit an großen, europäischen Vor-bildern. Jazz gilt schon immer als unkonventionelles und sich stetes neuerfindendes Genre. Bei den JAZZNARTS RECORDS eSeries finden Produktionen mit einer Kombina-tion aus Jazz und elektronischen Klangbildern platz.

Nach 15 erfolgreichen Trio-Jahren erscheint der Trompeter auf seiner neuesten Pro-duktion mit völlig neuer Quintett-Besetzung, einem modern-unkonventionell-nordisch-elektronischen Soundbild, aber der genauso gewohnt-selbstverständlichen, trompete-rischen Brillanz und Klarheit. Das bisher in seinem Trio fehlende Harmonie-Instrument wurde nun durch gleich zwei sehr stark den aktuellen Sound prägende Instrumente ergänzt. „Schon bei den ersten Proben spürte ich diese großartige Klangwolke die mich in die luxuriöse Situation brachte, mit einem größeren, musikalischen Freiraum arbeiten zu können. Keine Triozwänge die eine stetige Bereitschaft zur Präsenz vo-raussetzten. Ein sehr schönes und neues Gefühl“, so Siffling selbst.

Seinem bisherigen Credo bleibt der Trompeter aber auch bei dem neuesten Werk treu: Es soll nachvollziehbarer Jazz entstehen. Sowohl die Jazzliebhaber als auch die gelegentlichen Musikkonsumenten haben die Möglichkeit etwas zu entdecken. Sei es ein einfaches mitwippen, beiläufiges Zuhören oder gar das vollkommene fallenlassen in der Musik und somit da Erreichen des völligen Bei-sich-seins, alles ist möglich.

Seine musikalischen Mitstreiter sind keineswegs Unbekannte in der internationalen Musik- und Jazz-Szene. Zum einen Alex Gunia an der Gitarre und dem Sounddesign. Der gebürtige Kölner sorgte u.a. mit seiner Jazz-Rock-Band Matalex national und in-ternational für Aufsehen. Zwischen 2007 und 2012 lebte, lehrte und arbeitet er in Oslo und ist somit für Siffling eine wichtige Referenzperson in Bezug auf den neuen Bandsound. Konrad Hinsken ist der jüngste im Flow-Quintett. Der Pianist und Hochschul-dozent arbeitet neben dem Nationaltheater Mannheim auch für einige TV-Formate, unter anderem mit Xavier Naidoo. Am Bass findet sich Dirk Blümlein, Teil der deut-schen Kult-Brit-Pop-Band Fools Garden und schon unzählige Jahre in ganz Europa tätig, ein langer Weggefährte und Freund Sifflings. Zu guter Letzt noch Christian Huber am Schlagzeug, einer der gefragtesten Musiker des Rhein-Neckar-Deltas und absolu-ter Garant für groovende und innovative Drum-Sounds, sowohl auf der akustischen als auch auf der elektronischen Ebene. Nach etlichen Probesessions wurde so die absolute Wunschbesetzung für den Bandleader zusammengestellt.

Entstanden ist ein Album welches einer geheimnisvollen und verwobenen Aura ähnelt. Ein zeitgemäßer Jazz welcher auch fernab des klassischen Publikums, unserer Meinung nach, Gehör finden wird. Flow führt nicht nur die interpretierenden Musiker in einen besonderen Zustand, nein, dies kann auch mit dem Zuhörer geschehen. Eine musikalische Erfahrung wie sie spannender nicht sein könnte. Genießen Sie das persönliche Entdecken des Flow-Gefühls und viel Vergnügen mit der neuesten JAZZNARTS RECORDS eSeries.