Samstag, 31. März 2018

Irrtümer und Fälschungen der Archäologie

Abbildung: Nünnerich-Asmus

"Irrtümer & Fälschungen der Archäologie", Herausgegeben von Josef Mühlenbrock und Tobias Esch im Auftrag des LWL-Museum für Archäologie Herne, Nünnerich-Asmus Verlag, 352 Seiten, 29,90 EUR, ISBN 978-3-961760-30-5    Jeder von uns irrt täglich, schätzt komplexe Sachverhalte falsch ein und fällt auf Täuschungen herein. Davon bleiben selbst angesehene Wissenschaftler nicht verschont, auch wenn sie ihre Forschungen mit höchster Sorgfalt betreiben. Gerade Archäologen und Historiker können aufgrund der lückenhaften Überlieferung bestenfalls eine Annäherung an geschichtliche Wahrheiten erzielen. Durchstreifte das legendäre Einhorn einst den Harz? Entdeckte Heinrich Schliemann in Troja wirklich den Schatz des Königs Priamos? Fand sich in Xanten die kostbare Bügelkrone eines fränkischen Herrschers? Handelt es sich bei der Tiara des Saitaphernes um ein Meisterwerk antiker Goldschmiedekunst? Berichten die Hieroglyphen der Necho-Skarabäen von der ersten Umsegelung Afrikas? Grub der Maurer Michael Kaufmann in einem römischen Töpferzentrum tatsächlich dutzende Antiken aus?
Während wir heute wissen, dass diese Fragen mit "Nein" zu beantworten sind, schienen viele Trugbilder zu ihrer Entstehungszeit durchaus überzeugend. Der Katalog zur Ausstellung in Herne und im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim revidiert populäre, aber überholte Thesen zu vergangenen Epochen und ihren Artefakten, rollt spektakuläre Betrugsfälle neu auf und stellt archäologische Arbeitsmethoden vor. Eine humoristische Einführung zeigt, welche Spuren wir wohl hinterlassen und wie Archäologen der Zukunft über unsere Zeit urteilen könnten. Den Ausgangspunkt bildet die Grafik-Novelle "Motel der Mysterien" von David Macaulay, die in der Ausstellung erstmals museal umgesetzt wird. Sie schildert, wie der Archäologe Howard Carson im 5. Jahrtausend nach (!) Christus eine vermeintliche Kult- und Grabstätte der Yanks entdeckt und seine Funde allesamt fehldeutet.

Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ja, das ist einmal ein Buch, indem Geschichte auf einer ganz besonderen Art und Weise vermittelt wird. Nicht so trocken und uninteressant wie wir es aus Schulbüchern kennen. Hier lernen wir aus dem Wissen hochqualitativer Kenner sehr viel Neues. Ein Muss für alle Archäologiefans. Über die Autoren: Das LWL-Museum für Archäologie – Westfälisches Landesmuseum in Herne ist das zentrale Schaufenster der Bodendenkmalpflege in Westfalen und materieller Spiegel der Menschheitsgeschichte dieser Region. Josef Mühlenbrock ist Leiter des LWL-Museums für Archäologie. Tobias Esch ist Projektleiter der Sonderausstellung "Irrtümer & Fälschungen der Archäologie".