Dienstag, 13. März 2018

Fünf Buchtitel mit Suchtfaktor

Abbildungen: Piper

Heinrich Steinfest „Die Büglerin“, Piper Verlag, 288 Seiten, 20,- EUR, ISBN 978-3-492-05663-2    Tonia Schreiber ist Büglerin. Mit der Hand bügelt sie die Wäsche ihrer vermögenden Heidelberger Kunden. Die Arbeit erledigt sie mit Sorgfalt und Präzision, obgleich sie schlecht bezahlt wird. Denn das Bügeln ist ihre Form der Buße. Sie büßt für eine Tat, die ihr Leben unwiderruflich verändert hat. Ein Leben, das unter den besten Vorzeichen stand: Als Tochter renommierter Botaniker verbrachte sie ihre Kindheit auf einer Segeljacht. Später lebte sie in Wien in der elterlichen, mit Aquarien ausgestatteten Villa und zog gemeinsam mit ihrer Halbschwester ihre Nichte Emilie auf. Bis Emilie auf tragische Weise starb. Und Tonia alles aufgab, ihre Freunde, ihren Reichtum, die Wissenschaft. Sie verließ ihre Heimatstadt Wien und begann zu bügeln. Doch das Leben ist noch nicht ganz fertig mit ihr. Denn der Zufall spielt ihr etwas in die Hände, das Emilies Tod in ein anderes Licht rückt.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Kurz gesagt: Schön und grausam, so kommt diese Geschichte daher. Ohne Heldin, ohne großes kriminalistisches Getue. Einfach und langsam erzählt, mit ein wenig esoterischem Beiwerk. Sehr klug verfasst
. Zum Autoren: Heinrich Steinfest wurde 1961 geboren. Albury, Wien, Stuttgart – das sind die Lebensstationen des erklärten Nesthockers und preisgekrönten Autors, welcher den einarmigen Detektiv Cheng erfand. Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, erhielt 2009 den Stuttgarter Krimipreis und den Heimito-von-Doderer-Literaturpreis. Bereits zweimal wurde Heinrich Steinfest für den Deutschen Buchpreis nominiert: 2006 mit „Ein dickes Fell“; 2014 stand er mit „Der Allesforscher“ auf der Shortlist. 2016 erhielt er den Bayerischen Buchpreis für „Das Leben und Sterben der Flugzeuge“.

Su Turhan „Mordslust pur“, Piper Verlag, 336 Seiten, 15,- EUR, ISBN 978-3-492-06085-1    Ein schrecklicher Anblick bietet sich Kommissar Demirbilek und seinem Migra-Team, als die Leiche eines Mannes in der Nähe der Münchner Erotikmesse entdeckt wird. Da sich weder Papiere noch Wertsachen finden, vermuten sie zunächst einen Raubmord. Doch Faserspuren an den Handgelenken des Opfers weisen darauf hin, dass der Mann vor seinem Tod gefesselt wurde – und zwar mit einem speziell gefertigten Bondageseil. Sofort nehmen sie die Ermittlungen auf der Erotikmesse, wo mehr Schein als Sein herrscht, und im Umfeld auf. Auch im Privatleben stochert Zeki zunächst im Nebel. Albträume suchen ihn heim, er befürchtet Schlimmes. Was er jedoch nicht ahnt: Tatsächlich schwebt einer seiner Liebsten in höchster Lebensgefahr.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Neben einen Konflikt der Kulturen gibt die Geschichte auch Einblicke in das Leben lustvoller Zeitgenossen. Dieses Thema könnte noch genügend Potenzial für eine Fortsetzung mit sich bringen. Zum Autoren: 1968 verschlägt es den in Istanbul geborenen Su Turhan von der Bosporusmetropole ins niederbayerische Straubing. Nach dem Studium der Neuen Deutschen Literaturwissenschaft an der LMU München beginnt er Drehbücher zu schreiben und arbeitet als Regisseur, unter anderem für sein Liebesdrama „Ayla“, das internationale Publikumspreise erhielt. Mit „Kommissar Pascha: Ein Fall für Zeki Demirbilek“ gab Turhan sein Debüt als Kriminalautor. Er lebt mit seiner Familie in München.


Zygmunt Miloszewski „Der Zorn des Vergessenen“, Piper Verlag, 528 Seiten, 11,- EUR, ISBN 978-3-492-31138-0    Als im Ermland, im Keller eines alten Bunkers, ein Skelett gefunden wird, glaubt Staatsanwalt Szacki an einen Routinefall. Doch dann stellt der Rechtsmediziner fest, dass es sich bei dem Toten um einen Mann namens Najman handelt, der bei lebendigem Leib in Natronlauge aufgelöst wurde. Und während das Skelett vollkommen unversehrt ist, fehlten Najman zu Lebzeiten zwei Finger. Wenig später überstürzen sich die Ereignisse und machen den Fall zu Szackis bislang persönlichstem: Seine Tochter wird entführt, und der einzige Hinweis auf ihren Verbleib ist ein Foto von dem Ort, an dem Najman ermordet wurde. Von jetzt an zählt jede Sekunde.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Hier erfährt der Leser detailliert, was passiert, wenn Zorn in Hass umschlägt. Ein sehr guter Roman eines osteuropäischen Autoren, von dem wir noch einiges lesen werden. Bravo. Zum Autoren: Zygmunt Miłoszewski, geboren 1976 und früher Journalist bei Newsweek Polen, katapultierte sich mit „Warschauer Verstrickungen“ in die erste Reihe der osteuropäischen Autoren, die gerade die internationale Krimiszene aufmischen. Für das Buch erhielt er den Preis Wielki Kaliber, die höchste polnische Auszeichnung für Kriminalliteratur.


Margaret Atwood „Die steinerne Matratze“, Piper Verlag, 304 Seiten, 11,- EUR, ISBN 978-3-492-31174-8    Verna begibt sich auf eine Arktisreise, um endlich alles hinter sich zu lassen, um abzuschalten. Doch statt Ruhe, Weite, Eis und Schnee trifft sie unerwartet auf den Mann, der ihr Leben für immer veränderte, als er sie vor über fünfzig Jahren zum Schultanz lud, die unscheinbare, fleißige Verna Pritchard an der Seite des begehrten Footballstars. Wie Verna nun späte Rache übt, erzählt Atwood so lakonisch und souverän, wie es nur die „Queen der kanadischen Literatur“ (Literarische Welt) vermag, erzählt in einer einzigen Geschichte ein ganzes Leben. All ihre stilistische Virtuosität, die Leichtigkeit, den Witz und die Ironie legt Margaret Atwood in diesen Band, ein Glanzstück ihrer Erzählkunst.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Lustig, anarchistisch, blendend niedergeschrieben. Ein Bollwerk besonderer Zeilen zwischen zwei Buchdeckeln. Zur Autorin: Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr „Report der Magd“ wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.


Edgar Rai „Etwas bleibt immer“, Piper Verlag, 224 Seiten, 10,- EUR, ISBN 978-3-492-31207-3   
Nicolas hat ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf auf dem Anwesen über Rayol-Canadel-sur-Mer, einem traumhaft gelegenen Ort an der südfranzösischen Mittelmeerküste. Es gibt hier allerdings auch nicht viele Menschen: den Gärtner, die Haushälterin, die Nachbarstochter mit ihren wechselnden Party-Freundinnen und den Hund Silencio, der nicht bellt. Als Housesitter des Feriendomizils eines deutschen Großindustriellenpaares hat sich der junge Mann von der Welt zurückgezogen, weil er weiß, es geht ihm besser in selbstgewählter Einsamkeit – ihm und der Welt. Sein täglicher Langstreckenlauf gibt ihm Ruhe und Sicherheit. Doch als sich das Ehepaar Breuer für eine Woche mit Gästen ankündigt, kehrt Nicolas’ Unruhe zurück. Mit einer verwüsteten Suite im Westflügel fängt es an, und es wird einen Toten geben. „Etwas bleibt immer“ führt die flirrende Atmosphäre und den schwebend leichten Ton von Edgar Rais Bestsellern weiter und ist ein Meisterwerk der untergründigen Spannung.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Starke Dialoge, die überraschen und fast traumhaft wirken. Unbedingt lesen. Zum Autoren: Edgar Rai, geboren 1967 in Hessen, studierte Musikwissenschaften und Anglistik. Von 2003 bis 2008 Dozent für kreatives Schreiben an der FU-Berlin. Seit 2012 Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai in Berlin. Mit seinem Bestseller „Nächsten Sommer“ (2010) gelang ihm der Durchbruch als Autor.