Montag, 17. Juli 2017

Shakespeare Sonnets

Abbildung: JazzNarts

"Sings Shakespeare Sonnets 3", JAZZNARTS RECORDS, Inakustik / Ordis / HRA    "Aller guten Dinge sind drei”, dies muss die belgische Caroll Vanwelden auch gedacht haben als sie beschlossen hat eine Jazz-Trilogie um die Shakespeare Sonette zu schreiben. Dem Thema der 154 Sonette Shakespeares hat sich die Komponistin und Pianistin auf ihre einfühlsame Art und Weise bereits 2012 und 2014 angenommen. Daraus entstanden sind zwei von den Kritikern äußerst gelobte Veröffentlichungen. Die Künstlerin begann eine multidimensionale musikalisch-lyrische Reise, welche mit dem neuen JAZZNARTS RECORDS Release Caroll Vanwelden – Sings Shakespeare Sonnets 3 am 21. Juli 2017 seinen Höhe-punkt aber zeitgleich auch sein fulminantes Ende findet. Auf der letzten Platte die-ser Trilogie, zeigt sie uns einmal mehr ihren sehr originellen und ganz eigenen Ansatz für die Interpretation der bekanntesten Sonette des englischen Großmeisters.

“So long as men can breathe or eyes can see, so long lives this, and this gives life to thee.” (William Shakespeare) Es ist die Idee der Unsterblichkeit, die der englische Lyriker und Dramaturg in seinem bekanntesten Sonnet Nummer 18 aus dem Jahr 1609 verarbeitet. Die Leitbilder der unendlichen Liebe und intensiven Sexualität, nahezu manischen Besessenheit, der bezaubernden Schönheit über den unausweichlichen Verfall bis hin zur endlichen Mortalität. Es ist ein Opus wie es monumentaler nicht sein könnte, die 154 Sonette von Shakespeare. Kein Werk der Weltliteratur, außer der Bibel, wurde häufiger ins Deutsche übersetzt.

Der rote Faden aller Produktionen ist die warme und farbenprächtige Stimme Vanweldens. Der Klangkünstlerin ist es möglich in einem Moment eine vielfältige Melancholie zu erschaffen, bevor der Zuhörer im darauffolgenden Moment, fast schon explosionsartig, von der Intensität und Kraft ihres Gesangs geradezu über-mannt wird. Sie setzt Energie frei, schafft Emotionen und verzaubert mit hypnoti-scher Leichtigkeit. Dies in Kombination mit der thematischen Erörterung zu Shakespeare und dessen Credo zur Prokreation der unendlichen Liebe, schafft eine so ausdrucksstarke Basis wie es bisher noch nicht möglich war. Genau von dieser Liebe spricht aber auch die Sängerin, wenn sie von ihren zwei wunderbaren Kindern erzählt, oder eben der Sexualität die Sie empfindet, wenn sie sich ganz der Musik hingeben kann. Genauso aber auch die Konfrontation mit der perfektionistischen Besessenheit gegenüber dem einmaligen und unerreichbaren Lebenswerk von Shakespeare. All dies wird ummantelt von ihrer Begeisterung für Schönheit und Ästhetik. Aber auch der Verfall wird verarbeitet, ein Verfall dem der englische Dichter quasi mühelos entgangen ist, da seine Kunst länger währt als die Zeit. Zuletzt noch die Mortalität, eine Thematik die besonderes präsent während des Entstehungsprozesses zu Shakespeares Sonetts 3 war. Kurz vor dem Release des zweiten Albums ist der Vater Vanweldens gestorben, was die Arbeiten zu der aktuellen Veröffentlichung maßgeblich geprägt hat. „Die Motive und Leitbilder Shakespeares sind faszinierend und universell zugleich. In all seinen Motiven finde ich mich selbst wieder und auch ein großes Maß an Inspiration“, so die Musikerin.

Musikalische Unterstützung erhält die Pianistin von drei der spannendsten und erfolgreichsten Instrumentalisten Deutschlands. An Trompete und Flügelhorn hören wir den Mannheimer Kulturmacher Thomas Siffling, dessen elegante Melodien sich perfekt mit Vanweldens einzigartiger und warmer Stimme verbinden. Der Stuttgarter Künstler und Professor Mini Schulz lässt seinen Bogen zuweilen anmutig über den Kontrabass streichen, bevor er diesen in dem nächsten Stück schon lässig-groovend zupft. Der Newcomer und in Köln lebende Jens Düppe trägt mit seinem Schlagzeug- und Percussionspiel zu komplexen Rhythmuswechseln und dem musikalischen Reichtum der Gruppe, durch seine vielfältige und reiche Klangpalette, bei.

Mit Shakespeare Sonnets 3 setzt Caroll Vanwelden ein magisches und vollkommenes Ausrufzeichen hinter eine musikalische Trilogie die spannender nicht sein könnte. Die mutige Herangehensweise und künstlerische Verarbeitung der Sonette gelingt fast spielerisch. Entstanden ist ein Album für den klassischen Jazzfan, Freunde der Lyrik oder den schlichten Musikgenießer. Vom ersten bis zum letzten Stück oder auch von Vers zu Vers eine wahre Wonne.