Mittwoch, 12. April 2017

Das neue Album des US-Amerikaners Trevor Anderies - Samsara

Abbildung: Personality Records

Trevor Anderies "Samsara", Personality Records    Mit Samsara ist ein äußert intensives und gehaltvolles Jazzalbum entstanden. Nicht nur durch die internationalität der musikalischen Akteure auch durch das starke inhaltliche Thema zeigt sich hier eine Produktion auf dem absoluten Sate of the Art. Trevor Anderies und sein europäisches Quartett brillieren auf dem Jazzparkett und versuchen somit auch auf dem europäischen Musikmarkt Fuß zu fassen.

Samsara – Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „beständiges Wandern“ und bezeichnet hierbei den immerwährenden Zyklus des Seins. Den Kreislauf von Leben und Tot, Wiedergeburt bzw. Reinkarnation. Eine Glaubensweise, welche tief im Hinduismus und Budismus verankert ist. Es sind Fragen mit welchen sich jeder Mensch auseinandersetzt, Glaubenssätze die auf Erfahrungen und Erlebnisse im eigenen Leben zurück zu führen sind und somit jedes Lebewesen betreffen. Egal ob Mensch, Tier oder Pflanze, der Samsara Kreislauf begleitet uns alltäglich.

Der im US-amerikanischen Los Angeles lebende Drummer und Komponist Trevor Anderies wuchs mit den Lehren des Buddhismus auf und verarbeitet diese auch musikalisch in seinen Werken. „In meiner Musik geht es darum sich mit der Welt zu erden, außerhalb von Zeit und Raum. Zum einen das Bewusstsein über die gemeinsame Verbindung mit der gesamten Umwelt, zum anderen die besonderen Erfahrungen im Laufe des Lebens, sowie der Schönheit, Einzigartigkeit und dem Wert eines jeden Lebewesens“, beschreibt er selbst.


Gemeinsam mit seinem europäischen Quartett zeigt die Formation auf dem neuen Album Samsara wie international und zeitgenössisch das uralte Thema von Leben und Tot verarbeitet werden kann. Es beginnt eine mystisch- musikalische Reise in das Unerwartet, wobei Anderies als Bandleader immer wieder mit schönen Solis heraussticht, seinen Kollegen aber niemals den Raum zur freien musikalischen Entfaltung streitig macht. Eine Mischung aus klassischem Jazz, freier Improvisation, Rock und World Music und ebenso ein Beweis für die Qualität des amerikanischen Jazz im 21. Jahrhundert. Jeder seiner Bandkollegen ist selbst Bandleader und kann auf langjährige Erfahrung zurückblicken. Der deutsche Johannes Müller am Saxophon, welcher selbst erst vor kurzem auf personality records released hat, Christian Pabst aus den Niederlanden am Piano und Gautier Laurent aus Frankreich am Bass. Ein musikalisches Projekt wie es internationaler nicht sein könnte.


Auch in jedem der neun Tracks setzt sich Anderies mit dem übergeordneten Thema Samsara auseinander. Es geht um Einflüsse und Wegbegleiter die den Drummer geprägt haben oder Fragen mit denen er sich schon oftmals auseinander setzten musste. Der Eröffnungstrack Romaine’s Hang ist eine Hommage an den alten Schlagzeuglehrer von Anderies. Sein großer Mentor und guter Freund. Mit Loss Of A Tooth spielt er auf die Banalität eines verlorenen Zahnes an, was aber als übergeordneter Gedanke verstanden werden soll, welcher den Kreislauf des Lebens symbolisiert. Zealot greift einen unangenehmen Aspekt des Lebens auf. Menschen die glauben nur deren Sichtweise auf die Welt wäre die optimale, müssen lernen durch einen positiven Dialog auch andere Glaubenssätze zuzulassen. Scolastica ist ein Begriff aus der Novelle Finnegans Wake von James Joyce. Ein Buch ohne Anfang und Ende, welches ein ähnliches Gefühl wie Samsara schafft. Mit Broken Shadows und I Mean You präsentiert der Bandleader ebenfalls zwei Hommagen eine Musiker die eine wichtige Rolle in seinem Leben spielten. Der französische Titel Vous Etes Swing beschreibt die Lebensfreunde, das Lachen und die Liebe mit welcher alle Entscheidungen im Leben getroffen werden sollten. Ein Gedicht des Philosophen Rumi aus dem 13. Jahrhundert liefert die Vorlage zu A Stone I Died. Ein schöner Abschluss und weitere Grundsatz des Gelehrten Nichiren: Auf jeden Winter folgt ein Frühling, in jedem Jahr und niemals wird der Herbst auf den Winter folgen.