Donnerstag, 22. September 2016

Südafrika und der Jazz

Abbildung: JAZZNARTS

Neue CD "Seba Kaapstad – Tagore’sue", Label JAZZNARTS RECORDS    Wir befinden uns heute 33° Süd 56’ 20.94’’ – 18° Ost 28’ 10.271’’. Genau genommen sitzen wir am Straßenrand des ‚Tagore’s Club’ in der 42, Trill Road im sonnigen und sehr milden Kapstadt. Mit uns am Tisch sitzt eine Gruppe junger Musiker aus Deutschland und Afrika: Sebastian Schuster, Zoe Modiga und Ndumiso Manana. In diesem Moment wird ein Bandprojekt geboren, welches Kulturen verbindet, für Musiker neue musikalische Horizonte ermöglicht und ein so starkes, authentisches und sehr vielseitiges Jazz-Album hervorbringt, wie man es wohl aus einer Kombination von schwäbischer Gründlichkeit, koreanischer Zurückhaltung, rheinischem Humor und Süd-Afrikanischer Gelassenheit nicht erwartet hätte: Seba Kaapstad – Tagore’s.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Südafrika auf Grund der Apartheid und vieler Unruhen stark zerrüttet. Bis zum Ende der 80er Jahre war es fast unmöglich Kreativität, Kunst und Kultur zu erleben. Mit ausschlaggebend für die Rehabilitation des Landes und der dort lebenden Menschen war die Musik. Als universelle Sprache hat sie Menschen, egal welcher Herkunft, zusammengeführt. Es entstand die Möglichkeit auf neutraler Ebene miteinander zu kommunizieren, einen gemeinsamen kreativen Prozess zu gestalten, Vorurteile zu überwinden und einen großen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Gerade deshalb ist das Projekt von Sebastian alias ‚Seba Kaapstad’ umso wichtiger und intensiver.

Vor seiner ersten Reise nach Kapstadt hätte Seba sich sicher niemals ausmalen können, welche Freunde er dort findet, wie dieses Land sein ganzes Leben verändert und welche Magie und vor allem Energie ihn dort erwartet. Der Grund seiner Reise war nämlich ein anderer. Eines der großen musikalischen Vorbilder des Musikers ist der niederländische Bassist ‚Heyn van der Geyn’, welcher unter anderem schon mit Chet Baker auf Tournee war. Dieser lebt in der ‚Mother City’ und Seba wollte ihn kennen lernen. Nach ersten gemeinsamen Jam Sessions und viel Zeit mit dem Instrument verliebte sich der junge Künstler allmählich in die Stadt, die Menschen und das Lebensgefühl. „Kapstadt ist so charmant imperfekt. Ich erinnere mich an einen Gig mit circa 30 Musikern. Ohne Noten und wirklichen Plan wurde begonnen zu spielen. Es brach absolutes Chaos aus, aber ich habe selten so ehrliche Musik erlebt. Beim Spielen herrscht nie wirklich Ruhe, der Zuhörer zeigt sofort Emotionen wenn etwas gefällt, oder eben nicht. Das würde es in Deutschland nie geben “, erklärt Seba.

Geprägt ist der musikalische Stil von ‚Tagore’s’ durch die vielfältigen Kulturen und Stilistiken der Bandmitglieder. Der afrikanische Einfluss auf dem Album ist stark ausgeprägt. Es ist ein urbaner Mix aus Rhythm ’n’ Blues, Hip-Hop, Soul und Jazz. Allerdings wird viel Raum gelassen zur musikalischen Entfaltung eines jeden Künstlers. Vor allem ‚Hello’‚ ‚I Fall In Love Too Easily’, ‚Flatline’ und ‚Autumn’, mit ihren eindringlichen Melodien, tollen Solis und hervorragend abgestimmten Vocal-Passagen sind absolute Ohrwurm-Garanten. Alle Kompositionen stammen aus der Feder des Bandleaders und den Sängern. Aufgenommen wurde im Münchner Mastermix Studio von Thomas Schmidt und gemastert von Christoph Stickel.

Seba vereint mit seinem Debütalbum die südafrikanische Ausnahmesängerin Zoe Modiga, welche mit gerade einmal 21 Jahren schon etliche Wettbewerbe gewonnen hat und als eine der vielversprechendsten und talentiertesten Künstlerinnen des ganzen Landes gilt. Ebenfalls mit dabei ist Ndumiso Manana aus Swasiland, der junge und sehr emotionale Sänger ist auch gerade im Begriff seine Karriere in Südafrika und über den Landesgrenzen hinaus aufzubauen. Am Piano ist ebenfalls keine Unbekannte: Gee Hye Lee, gebürtig aus Südkorea mittlerweile aber sesshaft in Stuttgart. Der aus Bayern stammende und in Köln lebende Thomas Wörle an den Drums und Electronics ergänzt die Band. Außerdem ist auch die Schwester des Bandleaders, Franziska Schuster, als Sängerin auf dem Album vertreten. Und natürlich der Bassist sowie Komponist des Albums, Sebastian Schuster.

Bei ‚Seba Kaapstad – Tagore’s’ wirken Musiker gemeinsam, die auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich scheinen, aber die genau gleichen Vorstellungen von Musik und deren Einfluss haben. Dadurch ist ein so besonderes, facettenreiches und wirklich spannendes Album entstanden. Es spiegelt die Energie Südafrikas und zeigt, dass Grenzen, jeglicher Art, mit Hilfe von Musik immer überwunden werden können. Ein absoluter Musiktipp, auch für Nicht-Jazzer.

Band:
Zoe Modiga – Voice
Franziska Schuster – Voice
Ndumiso Manana – Voice
Gee Hye Lee – Piano
Thomas Wörle – Drums / Electronics
Sebastian Schuster - Bass / Rhodes