Donnerstag, 22. September 2016

Eleven Promises - Jazz vom Feinsten

Abbildung: JazzSick

Elisabeth Lohninger & Band "Eleven Promises", Label JazzSick Records    Salzkammergut, Österreich. Malerisch gelegen am traumhaften Attersee. Bei einem Blick über das Wasser erblickt man am anderen Ende die thronenden und mächtigen Bergspitzen der Alpen über das Ufer ragen. Ein einmaliges Panorama und für Elisabeth Lohninger der schönste Ort auf der ganzen Welt. Als Pendant hierzu steht eine der pulsierendsten und faszinierendsten Städte auf unserem Globus – New York City. Das eine ist die Heimat, das andere seit über 20 Jahren die Wahlheimat. Es ist ein großer und mehr als nur gewagter Schritt von einem Dorf mit 25 Einwohnern in eine 8,2 Millionen-Stadt zu ziehen. Eine alte Welt sollte der neuen weichen. Aber Elisabeth Lohninger wäre nicht Elisabeth Lohninger, wenn sie zum einen nicht ihrem Herzen folgen würde, und zum anderen der Liebe zur Musik wegen, diesen Schritt gewagt hätte.

Manhattan war vor 20 Jahren noch multikultureller, bunter und geradezu durchwachsener Nabel der gesamten Metropole, mittlerweile hat sich dies stark verändert. Beherrscht von großen Konzernen und Firmen aus der ganzen Welt mussten die kleinen, charmanten und romantischen Ecken in denen der Jazz noch lebendig gedeihen konnte leider zum Teil weichen. Wer sich aber mit offenen Augen und Ohren auf die Suche begibt, findet diese besonderen und magischen Orte der Stadt noch. So weiß auch Elisabeth Lohninger ihr New York zu schätzen.

Der Gedanke an den American Dream liegt bei so einer Vita sicherlich nah, war für die Sängerin aber niemals der Fokus ihres Aufbruchs. Wenn man nach New York bzw. Manhattan kommt um Jazz zu machen geht es nicht so sehr darum, mit Musik möglichst viel Geld zu verdienen, ein schönes Haus oder ein schnelles Auto zu kaufen. Musik ist für mich Inspiration, ich fühle mich darin zu Hause und sie gibt mir den Freiraum den ich auch brauche um möglichst authentisch zu sein und im besten Fall auch andere Menschen dadurch inspirieren zu können, erzählt die Künstlerin.

Diese Reise musste die studierte Sängerin auch nicht alleine unternehmen, gemeinsam mit ihrem Ehemann und jahrelangen, musikalischen Wegbegleiter, Walter Fischbacher, wurde die erste gemeinsame Wohnung auf der W 104th Street und Broadway bezogen, anschließend ging es in die Lower East Side. Von diesem Zeitpunkt wurde der Schwerpunkt des musikalischen und kreativen Schaffens auf eine neue Stadt gelegt.

Im Gegensatz zu dem europäischen Jazz ist der amerikanische sehr traditionell geprägt, dies beeinflusste sicherlich auch die Liedstrukturen, Akkordabfolgen und Ästhetiken von Elisabeths Musik. Der Puls der Stadt, der Lärm, die vielen Dinge, die sich ständig und zur gleichen Zeit abspielen, aber auch der Rhythmus der Sprache. Alles ausschlaggebende Indikatoren für die musikalische Entwicklung der Vokalistin. Ein weiterer Aspekt dieses Prozesses ist die enge und sehr intensive Zusammenarbeit mit Walter Fischbacher. Über die Jahre hinweg wurden 20 Produktionen veröffentlicht, zum Teil gemeinsam, zum Teil in Co-Produktion aber immer mit einem übergeordneten Ziel, dem Jazz. Das aktuellste dieser vielen Resultate ist das am 23. September erscheinende, neue Album von Elisabeth Lohninger & Band – Eleven Promises.

Es ist ein Symbol der gemeinsamen Geschichte des Ehepaars. Ein Sinnbild für die Ehe, das Versprechen in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderzustehen und immer wieder als Gemeinschaft zurückzukehren, egal was passiert. Deshalb ist es auch die erste Veröffentlichung gemeinsam mit Walter Fischbachers Trio Phisbacher. Fischbacher selbst hat das Album arrangiert und produziert und die meisten Stücke wurden auf einer gemeinsamen Auszeit in Mexiko geschrieben. Als musikalische Begleiter der neuen Veröffentlichung finden sich, neben Walter Fischbacher selbst am Piano, noch Goran Vujic am Bass und Ulf Stricker am Schlagzeug. Als besonderes Highlight Ben Butler, der Gitarrist von Sting und Susan Vega, bei dem Stück Birthday Girl und der Harmoniker Gary Schreiner als Solist bei Mellow Moon Moaning. Komplettiert wird durch den zweiten Gitarristen Pete McCann. Die Bandleaderin selbst weiß dies auch sehr zu schätzen: Ich bin immer wieder inspiriert von meinen Kolleginnen und Kollegen, ob das nun Musiker, Designer oder Schriftsteller sind. Sie beflügeln mich alleine dadurch, dass sie immer danach streben, nicht stehen zu bleiben sondern sich weiterzuentwickeln. Genauso war es auch bei den Arbeiten zu Eleven Promises, ein wunderbarer Prozess.

Jeder der zwölf Tracks auf dem neuen Album erzählt eine Geschichte oder es verbirgt sich eine interessante Anekdote dahinter. When We Were Young ist Elisabeths Geschwistern gewidmet und erzählt von der Erinnerung an einen warmen Sommerregen und vielen Momenten aus der Kindheit. Ein akustischer Chill-Out-Track mit einigen Sciencefiction-Sprinklern“ so beschreibt Walter Fischbacher die sechste Nummer auf dem Album, And If. Auch ein Cover mit Girl From Ipanema findet Platz. Mit dem gleichnamigen Titelsong Eleven Promises, dessen Refrain zufällig auch in 11/16 gespielt wird, greift Elisabeth nochmals das Thema des gesamten Albums auf, die Liebe, die Ehe und der gemeinsame Weg den sie und Walter bisher zurückgelegt haben. Mit Hold On empfiehlt sich ebenfalls noch ein äußerst grooviger Song in bester Manier der frühen 90er Jahre. Circles als das komplexeste Stück auf Eleven Promises spielt beispielsweise auf Maiden Voyage von Herbie Hancock an. Neben vielen weiteren sehr gut aufeinander abgestimmten Titeln, ist zu guter Letzt mit dem Stück Ya Mi Corazon noch ein spanisches Stück auf dem Album.